Ärzte Zeitung, 19.03.2015

Köln

Hausärzte und Pädiater im Einsatz für Flüchtlinge

In Köln bieten niedergelassene Haus- und Kinderärzte regelmäßig Sprechstunden in einer großen Notaufnahme für Flüchtlinge an - und viele nehmen dabei weite Wege in Kauf.

Von Ilse Schlingensiepen

DÜSSELDORF. Die konzertierte Aktion von Gesundheitsamt, Kassenärztlicher Vereinigung und Deutschem Roten Kreuz und das Engagement aller Beteiligten haben es möglich gemacht: In Köln bieten niedergelassene Haus- und Kinderärzte regelmäßig Sprechstunden in einer großen Notaufnahme für Flüchtlinge an.

In Köln hat die Zahl der Flüchtlinge in den vergangenen Monaten kontinuierlich zugenommen. Im Januar 2015 zählte die Domstadt 5384, berichtete die Leiterin des Gesundheitsamtes Dr. Anne Bunte auf der Tagung "Gesundheitliche Versorgung von Menschen in prekären Lebenslagen" in Düsseldorf.

Die Menschen sind in Notaufnahmeeinrichtungen, in Wohnungen und in Hotels untergebracht.

Abrechnung über die KV

"In einer Situation, in der viele Menschen auf engem Raum leben, brauchen wir Angebote, gerade für Kinder und Jugendliche, und wir brauchen dabei Konstanz", sagte Bunte.

Zwar erhalten die Flüchtlinge vom Sozialamt einen Krankenbehandlungsschein, der die Behandlung durch Vertragsärzte ermöglicht. Die Ärzte rechnen die Behandlung über die KV und diese wiederum mit dem Sozialamt ab.

Seit 2013 sei es für die Mitarbeiter des Heimträgers DRK aber immer schwieriger geworden, zeitnah einen Termin für erkrankte Flüchtlinge, für die Schwangerenvorsorge oder für Früherkennungsuntersuchungen und Impfungen bei Kindern zu erhalten, sagte Bunte.

Das habe zu einer zunehmenden Inanspruchnahme des Rettungsdienstes und der Notaufnahmen der Krankenhäuser geführt. Es sei klar geworden: "Wir brauchen feste Strukturen."

Das Gesundheitsamt suchte den Schulterschluss mit der KV Nordrhein (KVNo), um ein ärztliches Sprechstundenangebot zu etablieren. "Wir sahen uns vor der Herausforderung, bei uns eine neue Versorgungsebene einzuziehen", sagte Dr. Jürgen Zastrow, Vorsitzender der KVNo-Kreisstelle Köln.

Im September vergangenen Jahres hat Zastrow rund 3000 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten in Köln angeschrieben und um Mitstreiter für die medizinische Versorgung von Flüchtlingen geworben.

60 Ärzte machen mit

"60 Kollegen haben sich gemeldet, obwohl wir nur Arbeit und Engagement zu verteilen hatten", freute sich Zastrow.

Die Arbeit in der Sprechstunde für Flüchtlinge bedeute für die Ärzte eine zusätzliche Belastung außerhalb der Praxisarbeit, sie müssen zum Teil lange Wege innerhalb Kölns zurücklegen und haben einen großen Kommunikationsaufwand.

Manche Ärzte seien skeptisch gewesen, was sie an medizinischen Aufgaben erwartet, sagte der HNO-Arzt. "Wir mussten Ängste abbauen bei den Kollegen, obwohl das Behandlungsspektrum ähnlich ist wie sonst in Köln."

Schon am 7. Januar 2015 konnte die kinder- und hausärztliche Sprechstunde in zwei Räumen in der Notaufnahmeeinrichtung Herkulesstraße die Arbeit aufnehmen. Medikamente und Praxisbedarf stellt das Gesundheitsamt zur Verfügung, das DRK hat medizinisches Assistenzpersonal eingestellt.

Die Ärzte rechnen die Behandlungen mit dem einfachen GOÄ-Satz ab, sie werden extrabudgetär vergütet. Wichtig sei, dass das Angebot jetzt institutionalisiert werde, betonte er.

"Es kann nicht vom Engagement einzelner abhängen." Die Abläufe werden nach Zastrows Angaben regelmäßig überprüft, um herauszufinden, was nicht klappt und wo Änderungen notwendig sind.

Die Kassenärztliche Vereinigng Nordrhein erstellt zurzeit ein Handbuch über die medizinische Versorgung von Flüchtlingen. "Wir wollen das, was wir gemacht haben, gern weitergeben." Demnächst wollten auch Gynäkologen eine Sprechstunde anbieten, berichtete Gesundheitsamts-Chefin Bunte.

Geplant ist zudem die Zahnprophylaxe für Kinder und Jugendliche vor Ort. Auch die Apotheker seien mit im Boot. "Was wir dringend brauchen, ist der Ausbau des Beratungsangebotes durch Gesundheits- und Krankenpflegekräfte", sagte sie.

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