Direkt zum Inhaltsbereich

Köln

Hausärzte und Pädiater im Einsatz für Flüchtlinge

In Köln bieten niedergelassene Haus- und Kinderärzte regelmäßig Sprechstunden in einer großen Notaufnahme für Flüchtlinge an - und viele nehmen dabei weite Wege in Kauf.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

DÜSSELDORF. Die konzertierte Aktion von Gesundheitsamt, Kassenärztlicher Vereinigung und Deutschem Roten Kreuz und das Engagement aller Beteiligten haben es möglich gemacht: In Köln bieten niedergelassene Haus- und Kinderärzte regelmäßig Sprechstunden in einer großen Notaufnahme für Flüchtlinge an.

In Köln hat die Zahl der Flüchtlinge in den vergangenen Monaten kontinuierlich zugenommen. Im Januar 2015 zählte die Domstadt 5384, berichtete die Leiterin des Gesundheitsamtes Dr. Anne Bunte auf der Tagung "Gesundheitliche Versorgung von Menschen in prekären Lebenslagen" in Düsseldorf.

Die Menschen sind in Notaufnahmeeinrichtungen, in Wohnungen und in Hotels untergebracht.

Abrechnung über die KV

"In einer Situation, in der viele Menschen auf engem Raum leben, brauchen wir Angebote, gerade für Kinder und Jugendliche, und wir brauchen dabei Konstanz", sagte Bunte.

Zwar erhalten die Flüchtlinge vom Sozialamt einen Krankenbehandlungsschein, der die Behandlung durch Vertragsärzte ermöglicht. Die Ärzte rechnen die Behandlung über die KV und diese wiederum mit dem Sozialamt ab.

Seit 2013 sei es für die Mitarbeiter des Heimträgers DRK aber immer schwieriger geworden, zeitnah einen Termin für erkrankte Flüchtlinge, für die Schwangerenvorsorge oder für Früherkennungsuntersuchungen und Impfungen bei Kindern zu erhalten, sagte Bunte.

Das habe zu einer zunehmenden Inanspruchnahme des Rettungsdienstes und der Notaufnahmen der Krankenhäuser geführt. Es sei klar geworden: "Wir brauchen feste Strukturen."

Das Gesundheitsamt suchte den Schulterschluss mit der KV Nordrhein (KVNo), um ein ärztliches Sprechstundenangebot zu etablieren. "Wir sahen uns vor der Herausforderung, bei uns eine neue Versorgungsebene einzuziehen", sagte Dr. Jürgen Zastrow, Vorsitzender der KVNo-Kreisstelle Köln.

Im September vergangenen Jahres hat Zastrow rund 3000 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten in Köln angeschrieben und um Mitstreiter für die medizinische Versorgung von Flüchtlingen geworben.

60 Ärzte machen mit

"60 Kollegen haben sich gemeldet, obwohl wir nur Arbeit und Engagement zu verteilen hatten", freute sich Zastrow.

Die Arbeit in der Sprechstunde für Flüchtlinge bedeute für die Ärzte eine zusätzliche Belastung außerhalb der Praxisarbeit, sie müssen zum Teil lange Wege innerhalb Kölns zurücklegen und haben einen großen Kommunikationsaufwand.

Manche Ärzte seien skeptisch gewesen, was sie an medizinischen Aufgaben erwartet, sagte der HNO-Arzt. "Wir mussten Ängste abbauen bei den Kollegen, obwohl das Behandlungsspektrum ähnlich ist wie sonst in Köln."

Schon am 7. Januar 2015 konnte die kinder- und hausärztliche Sprechstunde in zwei Räumen in der Notaufnahmeeinrichtung Herkulesstraße die Arbeit aufnehmen. Medikamente und Praxisbedarf stellt das Gesundheitsamt zur Verfügung, das DRK hat medizinisches Assistenzpersonal eingestellt.

Die Ärzte rechnen die Behandlungen mit dem einfachen GOÄ-Satz ab, sie werden extrabudgetär vergütet. Wichtig sei, dass das Angebot jetzt institutionalisiert werde, betonte er.

"Es kann nicht vom Engagement einzelner abhängen." Die Abläufe werden nach Zastrows Angaben regelmäßig überprüft, um herauszufinden, was nicht klappt und wo Änderungen notwendig sind.

Die Kassenärztliche Vereinigng Nordrhein erstellt zurzeit ein Handbuch über die medizinische Versorgung von Flüchtlingen. "Wir wollen das, was wir gemacht haben, gern weitergeben." Demnächst wollten auch Gynäkologen eine Sprechstunde anbieten, berichtete Gesundheitsamts-Chefin Bunte.

Geplant ist zudem die Zahnprophylaxe für Kinder und Jugendliche vor Ort. Auch die Apotheker seien mit im Boot. "Was wir dringend brauchen, ist der Ausbau des Beratungsangebotes durch Gesundheits- und Krankenpflegekräfte", sagte sie.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Übersicht

Das sind die Bewerber für den Charity Award 2026

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Pro & Contra

Betablocker nach Herzinfarkt – Standard oder Einzelfallentscheidung?

Hautärztliche Empfehlungen

Welche Ernährung bei Akne ratsam ist

Lesetipps
Hausarzt Florian Vorderwülbecke mit seiner Tasche

© Vincenz Vorderwülbecke

Auf Haus- und Heimbesuch

Die perfekte Hausbesuchstasche: Worauf Sie beim Packen achten können

Viel hilft viel? Die Studienlage zu Probiotika ist im besten Falle durchwachsen.

© Romario Ien / stock.adobe.com

Dissens in Bezug auf Wirksamkeit

Wem oder wogegen helfen Probiotika?

In Deutschland machen frühe Erkrankungen mit Darmkrebs (EOCRC), also vor dem 50. Lebensjahr circa 5 Prozent der Neudiagnosen aus.

© Dmytro / stock.adobe.com

Registerauswertung aus neun Bundesländern

Mehr Darmkrebs-Neudiagnosen bei Jüngeren in Deutschland