Ärzte Zeitung, 12.01.2016

Japan

Skandal um Blutprodukte

TOKIO. Einer der größten japanischen Hersteller von Blutprodukten und Impfstoffen muss 110 Tage lang seine Produktion einstellen.

Es ist die längste Strafe, die je unter dem japanischen Arzneimittelrecht vergeben wurde. Das Gesundheitsministerium ordnete den Stopp an, nachdem aufkam, dass Kaketsuken seit mindestens 40 Jahren ungenehmigte Zutaten beigemischt und mindestens 20 Jahre lang Unterlagen gefälscht hatte.

Die Sperre läuft vom 18. Januar bis 6. Mai. Sie betrifft allerdings nur acht Produkte des Unternehmens. 27 weitere Blutprodukte und Impfstoffe, für die es keinen Ersatz gibt, nahm das Ministerium aus, um nach Lieferengpässen negative Folgen für Patienten zu vermeiden.

Bereits im Juni 2015, als die ersten Fälle ans Licht kamen, hatte das Ministerium Kaketsuken angewiesen, die Auslieferung von Blutprodukten zu stoppen und ab September auf den Verkauf von Impfstoffen freiwillig zu verzichten. Der Skandal betrifft nicht nur Produkte für Menschen, sondern auch für Tiere. Deshalb hat sich auch das Landwirtschaftsministerium eingeschaltet.

Im Dezember traten alle neun Vorstandsmitglieder zurück, darunter Chef Seiji Miyamoto. Kaketsuken hält rund 30 Prozent Anteil am japanischen Markt für Influenza-Impfstoffe und stellt Impfstoffe für Hepatitis A und B sowie die Japanische Enzephalitis her.

Während auf der japanischen Website gut sichtbar eine Entschuldigung platziert ist, findet sich auf der englischen Version kein Wort zu den Vorfällen. (bso)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Deutsche ernähren sich schlecht

Tödliche Infarkte und Schlaganfälle durch schlechte Ernährung: Deutschland nimmt hier unter den Ländern mit westlichem Lebensstil einen traurigen Spitzenplatz ein. mehr »

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

„Opioide niemals als Add-on-Therapie!“

Für die Dauertherapie bei mittleren bis starken Schmerzen gibt es keine verträglicheren Analgetika als retardierte Opioide, betont Schmerzmediziner Norbert Schürmann. Daneben kritisiert der Schmerzexperte die Fixiertheit auf Morphin. mehr »