Ärzte Zeitung, 06.10.2016

Gesundheits-Screening

Mehr als ein warmer Händedruck

Stark oder schwach? Wie fest ein Mensch beim Händedruck zupackt, kann viel über seine Gesundheit verraten. Ein kurioser Vorschlag kommt aus Österreich.

Mehr als ein warmer Händedruck

Gib mir deine Hand, und ich sag dir, wie gesund du bist? So lautet ein aktueller Vorschlag aus Österreich.

© Robert Kneschke / fotolia.com

LAXENBURG. Ein Händedruck als Screening-Methode? Tatsächlich ließe sich schnell und preisgünstig mit einem einfachen Test des Händedrucks der Gesundheitszustand eines Patienten abschätzen. Das berichtet Dr. Nadia Steiber vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Laxenburg bei Wien (PLOS ONE. 2016; doi:10.1371/ journal.pone.0163917).

Der Händedruck wird dabei mit einem einfachen Werkzeug bestimmt und kann Hinweise auf gravierende Gesundheitsprobleme liefern, so das Institut in einer Mitteilung.

Allgemein ist der Händedruck beim Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren am stärksten und nimmt dann in den weiteren Lebensjahren langsam ab. "Fallen bei einem Patienten die Werte des Händedrucks unter eine bestimmte Grenze, die vom Alter, Geschlecht und Körpergröße abhängt, dann sind weitere Untersuchungen auf den Gesundheitszustand zu empfehlen", berichtet Steiber in der Mitteilung.

Schwacher Druck von verletzlichen Personen

Referenzwerte hat sie dabei in ihrer Studie publiziert. Ein schwacher Druck deute direkt auf eine erhöhte Vulnerabilität des Patienten. Das Messverfahren ist dabei simpel und kostet nicht viel, so die Wirtschaftssoziologin in der Mitteilung.

Basis der Studie waren Daten aus einer Studie zur Bewertung des biologischen Alters. Auch hierzu kann die Händedruck-Messung als Methode verwendet werden. In Studien war der Druck dabei direkt assoziiert mit Sterberisiko, Behinderung, geistigem Abbau und der Rekonvaleszenz-Zeit nach Krankenhausaufenthalten.

Direkte Anwendung in klinischer Praxis möglich

Die Referenzwerte der neuen Studie zum Händedruck ließen sich direkt in der klinischen Praxis verwenden, heißt es in der Mitteilung weiter.

Für die Berechnung der Werte wurden Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin verwendet. Sie stammen von über 11.000 Probanden im Alter von 17 bis 90 Jahre mit über 25.000 Messungen.

Erstmals seien in der Studie Händedruck-Referenzwerte über die gesamte Lebensspanne von Menschen ermittelt worden. (eis)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »

Mit Geriatrietests zur Diabetestherapie à la carte

Der eine ist fit, der andere gebrechlich: Alte Menschen mit Typ-2-Diabetes brauchen individuelle Therapieformen. Ein Geriater gibt Tipps. mehr »