Ärzte Zeitung, 27.10.2016

Ein langer Weg?

Gleichstellung nicht erreicht

Kaum Teilhabe an der Macht in Politik und Wirtschaft, schlechtere Bezahlung fast überall: Die Gleichstellung ist auf einem holprigen Weg – nach Experteneinschätzung noch für sehr lange Zeit.

Von Thomas Kaufner

DAVOS/BERLIN. Die Gleichstellung von Frauen und Männern bleibt weltweit noch für lange Zeit eine Vision. Nach dem jüngsten Gleichstellungsbericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) hat sich die ökonomische Kluft zwischen den Geschlechtern zuletzt sogar wieder weiter geöffnet.

War das WEF noch im vorigen Jahr davon ausgegangen, dass es bis zum Jahr 2133 dauern könnte, die Schere zu schließen, gehen die Experten jetzt von einem Zeitraum von 170 Jahren aus.

Untersuchung in vier Kategorien

Das WEF untersucht einmal jährlich, wie es um die Chancen von Frauen im Vergleich zu Männern bestellt ist – zugrundegelegt werden vier Kategorien: Gesundheit und Lebenserwartung, Bildung, Teilhabe an politischen Ämtern sowie Einkommen und Vertretung im Management.

Die ökonomische Kluft wird vom WEF mit 59 Prozent beziffert, so schlecht wie seit 2008 nicht mehr. Den Rückschritt erklären die Experten unter anderem damit, dass Frauen weltweit weiterhin zum Teil deutlich weniger verdienen, als Männer. "Die Zahl von Frauen in Führungspositionen bleibt ebenfalls hartnäckig gering", heißt es.

Deutschland ist im WEF-Ranking von 2006 bis 2016 von Platz 5 auf Platz 13 zurückgefallen, liegt aber unter den großen Volkswirtschaften der Welt ganz vorn. Ähnlich wie in anderem hochentwickelten Ländern sei Deutschland dabei, die Kluft beim Einkommen voll zu schließen.

Skandinavische Vorbilder?

Angeführt wird die Liste von Island, vor Finnland, Norwegen und Schweden. Die größte Volkswirtschaft, die USA, rangieren abgeschlagen auf Platz 45 unter insgesamt 144 Ländern.

Das langsame Tempo beim Aufholprozess stellt aus Sicht der WEF-Experten ein großes wirtschaftliches Risiko dar – vor allem weil viele Jobs, die vorrangig von Frauen besetzt sind, überdurchschnittlich von den Verwerfungen des Internetzeitalters bedroht seien. (dpa)

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