Ärzte Zeitung, 28.02.2017
 

Prävention

Es darf gespielt werden

Gesundheit in der Schulpause: 700 Grundschulen nehmen am Präventionsprogramm fit4future teil. In Dormagen half nun Gesundheitsminister Hermann Gröhe beim Spielen.

Von Ilse Schlingensiepen

Es darf gespielt werden

Schulpause der etwas anderen Art: fit4future-Coach Frédéric Trigault hilft einem Schüler, sich auf dem Balance-Brett zu halten. Hermann Gröhe und Andreas Storm (rechts) begleiten das Präventionsprojekt.

© Ilse Schlingensiepen

DORMAGEN. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und der Vize-Vorsitzende der DAK-Gesundheit Andreas Storm fassen sich kurz. Sie wollen die 50 Grundschüler der St. Nikolaus Schule Stürzelberg an diesem Vormittag nicht zu lange auf die Folter spannen.

Denn die Jungen und Mädchen sind nicht gekommen, um sich gesundheitspolitische Reden anzuhören – sie wollen sich über die "Bewegungstonne" hermachen. "Die Kinder sind heute die Hauptpersonen", betont Storm.

In der ganz im Orange der DAK-Gesundheit gehaltenen Tonne warten 100 Spiel- und Sportgegenstände auf die Grundschüler. Künftig sollen sie im Unterricht und in der bewegten Pause zum Einsatz kommen. Heute dürfen die Kinder die Geräte aber schon einmal ausprobieren.

Es dauert nicht lang, da sind sie schon beschäftigt mit Springseil, Hula-Hoop-Reifen, Frisbee-Scheibe oder Balance-Brett. Schlechte Laune haben nur die, die nicht gleich ihr Lieblingsteil erwischt haben.

Run auf die Bewegungstonne

Vor dem Run auf die Bewegungstonne haben sich die Grundschüler mit fit4future-Coach Frédéric Trigault aufgewärmt. Man sieht: Sie sind noch in einem Alter, in dem Bewegung Spaß macht. Fit4future ist eine Initiative der Cleven-Stiftung.

Seit dem Start 2005 haben 700 Grundschulen mit insgesamt 200.000 Schülern an dem Präventionsprogramm teilgenommen. Die Initiative umfasste bislang drei Module: Bewegung, Ernährung, Gehirnfitness. In diesem Jahr konnte die Cleven-Stiftung die DAK-Gesundheit als Kooperationspartner gewinnen.

Die Kasse lässt einen Teil der Gesundheitsförderung einfließen, die sie nach dem Präventionsgesetz leisten muss.

"Wenn Prävention ganz besonders Sinn macht, dann in den ersten Jahren", begründet Storm das Engagement seiner Kasse bei fit4fure. Gerade in Grundschulen sehe er erheblichen Bedarf an solchen Programmen. Bereits dort träten Defizite in Bewegung und Ernährung zu Tage.

Lehrergesundheit im Fokus

Die Zusammenarbeit mit der DAK hat es ermöglicht, fit4future von der Reichweite und vom Inhalt her auszuweiten. In den nächsten Jahren will die Initiative 2000 Schulen und damit 600.000 Kindern erreichen. Sie wird dabei um ein viertes Modul ergänzt: Verhältnisprävention.

Dabei geht es um Themen wie "Schule als gesunder Raum" und "Lehrergesundheit". Die Kampagne wird vom Zentrum für Prävention und Sportmedizin an der Technischen Universität München wissenschaftlich begleitet.

"Das Interesse an dem Programm ist überwältigend", sagt Robert Lübenoff, der fit4future entwickelt hat. Das neue Modul komme bei den Lehrkräften sehr gut an.

Das Ziel, im ersten Jahr der Kooperation mit der DAK-Gesundheit 500 neue Schulen zu gewinnen, war schnell erreicht. 105 Schulen stehen schon auf der Warteliste. Bis Mitte November werden alle 500 teilnehmenden Schulen mit einer Bewegungstonne ausgestattet.

Gröhe: "Für einen gesunden Lebensstil begeistern"

Dass an der St. Nikolaus Schule der Bundesgesundheitsminister, der hier seinen Wahlkreis hat, bei der Übergabe anwesend ist, ist für Lübenoff ein besonderes Highlight. Gröhe ist Schirmherr der Kampagne. "Wir müssen für einen gesunden Lebensstil begeistern", betont der Minister.

Da gehöre eine ausreichende Bewegung ebenso zu wie eine gesunde Ernährung. Wichtig sei, dass die Menschen dort erreicht werden, wo sie leben, aufwachsen oder arbeiten. "Wir müssen möglichst früh damit beginnen, auf die richtige Schiene zu kommen."

Man sieht Gröhe an, dass der Termin ihm Spaß macht. Er schaut den Kindern zu und hilft an der einen oder anderen Stelle, etwa indem er das Seil fürs Seilchenspringen schwingt. Sonst hält sich der Minister eher zurück – und erklärt lachend in die Runde der Erwachsenen: "Die Hauptsache ist, dass wir nicht zeigen müssen, was wir nicht können."

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