Ärzte Zeitung online, 14.06.2017

Kommentar

Nothelfer in Not

Von Wolfgang Van den Bergh

Es war bislang nicht üblich, dass Hilfsorganisationen wie "Ärzte ohne Grenzen" sich so intensiv in internationale Politik einmischen. Mit ihrem Brief an die Bundeskanzlerin und der Forderung, die Zustände der Flüchtlinge auf der Mittelmeerroute als humanitäre Krise anzuerkennen, gehen die Organisationen einen Schritt weiter.

Aus gutem Grund: Zunehmend geraten die Helfer in Verdacht, erst durch ihr humanitäres Handeln Menschen dazu zu bewegen, ihre Heimatländer zu verlassen und die gefährliche Flucht übers Mittelmeer auf sich zu nehmen. Zudem wird behauptet, Mitarbeiter der Hilfsorganisationen würden mit Schleppern gemeinsame Sache machen. Angesichts der vielen tausend Toten ist ein solcher Vorwurf zynisch.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Situation eskaliert. Derweil wird die libysche Küstenwache hochgerüstet, um Flüchtlinge mit Gewalt daran zu hindern, das Land zu verlassen. "Ärzte ohne Grenzen" schilderte, dass Menschen in ihren Rettungsbooten angegriffen worden seien, obwohl sie sich in internationalen Gewässern aufhielten. Höchste Zeit, den Organisationen den Schutz zu gewähren, den sie brauchen, um ihren Job zu machen. Die Politik bekommt das Problem nicht in den Griff. Auf die Antwort der Kanzlerin darf man gespannt sein.

Lesen Sie dazu auch:
Flüchtlinge: Ärzte ohne Grenzen wehren sich gegen Kritik von Politikern

Topics
Schlagworte
Panorama (32131)
Organisationen
Ärzte ohne Grenzen (444)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

38 Prozent mehr psychische Diagnosen bei jungen Erwachsenen

Immer mehr junge Erwachsene leiden unter psychischen Erkrankungen. Allein die Diagnose Depressionen hat um 76 Prozent seit 2005 zugenommen, so der Arztreport 2018. mehr »

Vorhofflimmern schlägt aufs Hirn

Nicht nur ein Risikofaktor für Schlaganfall: Vorhofflimmern ist auch für das Gehirn gefährlich. Angststörungen und kognitive Einschränkungen sind Nebenwirkungen, so eine Studie. mehr »

Gericht urteilt über Diesel-Fahrverbote

Müssen Städte die Feinstaub-Notbremse ziehen und Diesel-Fahrzeuge aus den Innenstädten verbannen? Bejaht das Bundesverwaltungsgericht dies, könnte auch die Gesundheitswirtschaft in die Bredouille kommen. mehr »