Ärzte Zeitung, 10.12.2004

Senken faserreiche Kohlenhydrate Risiko für Insulinresistenz?

Personen, die Nahrung mit einem hohen glykämischen Index bevorzugen, haben ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko für Insulinresistenz

HANNOVER (hbr). Beeinflussen Kohlenhydrate in der Ernährung das Risiko für Insulinresistenz? Eine Assoziation scheint es zu geben, eine einfache Ja-Nein-Antwort nicht.

"Man findet signifikante Effekte des glykämischen Indexes und des Faseranteils in der Diät", sagt Professor Hans-Georg Joost vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Nuthetal. Der glykämische Index (GI) eines Lebensmittels gibt an, wie schnell der Blutzucker nach dem Verzehr steigt. Je höher der Index, um so schneller und höher das Ergebnis.

  Letztlich kommt es beim Diabetesrisiko auf die Fettmasse an.
   

Eine kürzlich veröffentlichte US-Studie, die Joost beim Diabeteskongreß in Hannover vorgestellt hat, zeigt eine 40prozentige Risikoerhöhung, wenn Kohlenhydrate mit hohem GI dominieren.

Ausgewertet wurden die Daten von 2834 Personen zwischen 26 und 82 Jahren. Die Risikoerhöhung bei hohem GI war unabhängig vom Body Mass Index (BMI) - auch wenn die Studie darauf hinweist, daß Menschen mit sehr hohem BMI offenbar schnell spaltbare, faserarme Kohlenhydrate bevorzugen.

Bei Kohlenhydraten mit hohem Faseranteil dagegen sank das Risiko um ein Drittel. Der oft diskutierte Gesamt-Anteil der Kohlenhydrate an der Ernährung hatte keinen Einfluß: Offenbar kommt es auf die Qualität an und nicht auf die Menge.

Die Verbindung zwischen Kohlenhydraten mit hohem GI und erhöhtem Risiko für Insulinresistenz sei aber als Assoziation zu werten, so Joost: Kausalität sei bislang nicht belegt.

Unstreitig dagegen sei, daß ungünstige fettreiche Ernährung den Anstieg von BMI, Insulinresistenz und Diabetesrisiko fördert. Es bleibt aber doch wieder alles an den Kalorien hängen, denn die Energiebilanz bestimmt die Körper-Fettmasse. Und die Fettmasse entscheidet über Insulinresistenz und Diabetesrisiko. Adipöse mit einem BMI von 39 kg/m² haben ein Risiko von 90 Prozent, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Zwar habe auch die Zusammensetzung der Nährstoffe Einfluß, sagt Joost: "Aber das verschwindet hinter diesem alles dominierenden Faktor."

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