Ärzte Zeitung, 15.07.2004

Bei Nierensteinen ist die Rezidivrate hoch - Patienten sollten viel trinken

Nach Oxalat-Stein ist Kalzium-Einnahme sinnvoll / Bei Harnwegsinfekt sofort Therapie

BERLIN (grue). Nach Entfernung eines Nierensteines bildet sich bei etwa jedem zweiten Patienten innerhalb von vier Jahren ein neuer Stein. Um das zu verhindern, sollten Patienten, die eine Nephrolithiasis hatten, viel trinken.

Bei den meisten Nierensteinen handelt es sich um Kalziumoxalatsteine, die sich bereits ab einer Größe von 5 mm nicht mehr selbst auflösen, sondern meist durch Lithotripsie zertrümmert werden. Um wiederholte Zertrümmerungen zu vermeiden, sollte mehr Wert auf die Stein-Prophylaxe gelegt werden. Das empfahl Professor Ulrich Kunzendorf von der Universitätsklinik Kiel beim Ärzte-Kongreß in Berlin. Dazu gehört vor allem, die Trinkmenge zu steigern, damit täglich etwa drei Liter verdünnter Urin ausgeschieden werden. "Um das zu schaffen, müssen die Patienten meist auch nachts trinken", sagte der Nephrologe.

Für Patienten mit Oxalatsteinen ist etwa eine Nahrungsergänzung mit Kalzium sinnvoll. Das oral aufgenommene Kalzium bindet überschüssige Oxalsäure im Darm. Die wasserunlöslichen Kalziumoxalat-Komplexe werden dann mit dem Stuhl ausgeschieden. So gelangt weniger Oxalsäure in die Nieren.

Bei einer enteralen Hyperoxalurie, etwa beim Kurzdarmsyndrom, ist die Behandlung mit Kalziumkarbonat (dreimal täglich 500 mg) am effektivsten. Durch Einnahme von Kaliumcitrat wird die Steinbildung ebenfalls gehemmt. Weitere Medikamente, die das Rezidivrisiko vermindern, sind Allopurinol und Thiazid-Diuretika.

Das alles sei aber wenig hilfreich, wenn die Patienten wiederholt Harnwegsinfektionen haben. "Denn dadurch können neue Nierensteine entstehen". Wichtiger als die Verordnung von Medikamenten sei es deshalb, den Stein-Patienten Teststreifen für die Harnwegskontrolle zu geben und sie wiederholt daran zu erinnern, größere Mengen zu trinken.

Bei einer Harnwegsinfektion sollten Patienten mit Stein-Risiko sofort behandelt werden, empfahl Kunzendorf. Ob sich dennoch ein neuer Stein gebildet hat, läßt sich mit Ultraschall oder Spiral-CT erkennen.

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