Ärzte Zeitung online, 07.08.2019

Reinigungsarbeiten

Paris kämpft gegen Bleiverschmutzung

Der Brand von Notre-Dame hat nicht nur die Kathedrale schwer beschädigt. Auch rund um das berühmte Denkmal hat das Feuer Auswirkungen. Denn: Was damals in Flammen aufging, war hochgiftig.

Von Julia Naue

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Baugerüstbühnen umgeben Angang August die Kathedrale Notre-Dame in Paris für die Rekonstruktionsarbeiten nach dem Brand vom 15. April 2019.

© Michel Euler/AP/dpa

PARIS. Die Bleiverschmutzung rund um Notre-Dame macht der Stadt Paris nach dem Brand der Kathedrale weiter zu schaffen.

Verbände und Gewerkschaften forderten Anfang der Woche eine Schutzglocke rund um die Kathedrale, die vor weiterer Verschmutzung schützen soll. Außerdem dauern die Untersuchungen von Kindern sowie die Reinigungsarbeiten in umliegenden Schulen an.

Vor allem in der Dachkonstruktion und der Turmabdeckung der Kathedrale war viel Blei verarbeitet. Es war bei dem katastrophalen Brand Mitte April geschmolzen.

Die Umgebung wurde mit Blei verschmutzt. Die investigative Online-Plattform „Mediapart“ hatte mehrfach berichtet, dass rund um die Kathedrale die zulässigen Bleiwerte höher seien als erlaubt. Die Behörden wiesen die Vorwürfe immer wieder zurück.

Vorbehalte gegen Schutzglocke

Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt zeigte sich wenig überzeugt vom Bau einer Schutzglocke. Eine solche Vorrichtung rund um das berühmte Bauwerk zu errichten, sei schwer machbar, sagte Emmanuel Grégoire am Dienstag dem Sender LCI.

Ihm zufolge ist das Vorhaben aus technischer und finanzieller Sicht komplex. Allerdings sei der Staat für die Kathedrale und das zugehörige Grundstück zuständig – nicht die Stadt.

Nach Angaben der regionalen Gesundheitsbehörde sind seit dem Feuer mehr als 160 Kinder untersucht worden, die in der Umgebung wohnen oder zur Schule gehen. Bei zwei der Kinder sei ein Bleiwert oberhalb der Meldepflicht festgestellt worden – unklar sei allerdings, ob dieser mit dem Brand in der Kathedrale zusammenhänge.

Im Wohnhaus von einem der betroffenen Kinder hatte es eine Bleiverunreinigung gegeben, die nichts mit dem Feuer zu tun hatte. Bei 16 Kindern liegt der Messwert im Blut der Behörde zufolge über der Wachsamkeitsschwelle.

Paris will sich an Empfehlungen der Gesundheitsbehörde halten

Die Stadt Paris betonte erneut, sich strikt an die Empfehlungen der örtlichen Gesundheitsbehörde zu halten. Im Umkreis von 500 Meter seien die Bleiwerte nicht höher als zulässig.

An drei Schulen außerhalb dieses Umkreises seien die Grenzwerte allerdings überschritten worden. Sie sollen nun gründlich gereinigt werden, bevor der Schulbetrieb Anfang September wieder losgeht.

Mitarbeiter der Stadt, die in der Nähe der Kathedrale arbeiten, haben sich der Stadt zufolge einem Bluttest unterzogen. Bisher seien keine auffälligen Ergebnisse festgestellt worden.

Die Restaurationsarbeiten an der Kathedrale sollen Mitte August wieder aufgenommen werden. Sie waren zuletzt unterbrochen worden, weil eine Arbeitsaufsichtsbehörde zu dem Schluss gekommen war, dass die Sicherheitsvorschriften für Arbeiter nicht ausreichend angewendet wurden. (dpa)

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