Ärzte Zeitung online, 13.09.2019

Mehr als nur Nonsens

Wieso nur italienische Pizza vor Krebs schützt

Alles andere als unwürdig: Die Ig-Nobelpreise wurden verliehen. Die Preise für kuriose Forschungsergebnisse werden mittlerweile richtig ernst genommen – und belohnen viele Erkenntnisse für den medizinischen Bereich.

Von Alexander Joppich

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Die Nobelpreisträger Rich Roberts (Medizin, 1993), Eric Maskin (Wirtschaft, 2007) und Jerome Friedman (Physik, 1990) bei der 29. jährlichen Ig-Nobelpreisverleihung an der Harvard University.

© Elise Amendola / AP / dpa

CAMBRIDGE, MASSACHUSETTS. Zum 29. Mal wurden am Abend des 12. September (Ortszeit) die Ig-Nobelpreise an der Harvard Universität verliehen. Das Magazin „Annals of Improbable Research“ verleiht die Preise für skurrile Forschungsthemen jährlich, um „das Ungewöhnliche zu feiern, das Phantasievolle zu ehren – das Interesse der Menschen an Wissenschaft. Medizin und Technologie anzuregen“, so die offizielle Preisbegründung. Ig steht für ignoble, also zu Deutsch: unwürdig, schändlich.

Dieses Jahr wurden unter anderem ausgezeichnet:

Achtjährige unterbricht traditionell Reden

Einige der Traditionen des Ig-Nobelpreises muten ebenfalls speziell an: So haben die Preisträger genau eine Minute Zeit für ihre Dankesrede. Überziehen sie diese Redezeit, kommt ein achtjähriges Mädchen namens Miss Sweetie Poo auf die Bühne und wiederholt ununterbrochen den Satz „Bitte hör auf, ich langweile mich“.

Über die Jahre haben die Redner daher die Gewohnheit entwickelt, sie zu bestechen zu versuchen: So schenkte Medizinpreisträger Gallo ihr ein T-Shirt mit Pizzamotiv und die japanischen Speichelanalysten versuchen es mit Bananen: Ohne Erfolg, wie immer blieb die Achtjährige hart.

Mehr als nur Unterhaltung

Auch wenn die Preisverleihung zunächst nach reinem Klamauk aussehen mag, nimmt die wissenschaftliche Gemeinschaft den Preis und seine Ziele ernst: Zahlreiche Nobelpreisträger (ja, die echten) nehmen an der Zeremonie jedes Jahr teil und übergeben meistens auch die Preise.

Ein Video ehrte den Physik-Nobelpreisträger von 2005, Roy Glauber. Dieser hatte jahrelang als Hausmeister die Papierflieger, die das Publikum traditionell auf die Bühne fliegen lässt, weggefegt. Glauber starb letzten Dezember.

Neben dem Preis – dieses Jahr eine Skulptur zwischen Zahnputzbecher, Kaffeetasse und Smartphonehülle – erhielten die Gewürdigten eine 10 Milliarden Dollar-Note aus Zimbabwe – Gegenwert: etwa 2500 Euro. Moderator Marc Abrahams schloss die Veranstaltung mit den bereits legendären Abschlussworten: „Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben – und insbesondere, wenn Sie einen gewonnen haben –: mehr Glück im nächsten Jahr!“

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