Ernährung, 15.07.2009

Antibiotikagabe: weniger Diarrhoen durch Probiotika

Pro- und Präbiotika können die Darmflora modulieren. Dies wird aus medizinischer Sicht immer bedeutsamer.

Von Maike Groeneveld

Tier- und Humanstudien zeigten, dass mit Übergewicht assoziierte Leberveränderungen wie die Steatose durch den Einsatz von Pro- und Präbiotika zumindest teilweise vermeidbar seien. Ein möglicher Wirkmechanismus dafür sei eine Stärkung der Barrierefunktion des Darmepithels, wodurch weniger Endotoxine die Leber belasteten, berichtete Professor Natalie Delzenne von der Universität Leuven auf dem 5. Internationalen Yakult Symposium in Amsterdam.

Durch die tägliche Gabe eines probiotischen Lebensmittels mit L. casei Shirota lasse sich auch die Häufigkeit der Antibiotika assoziierten Diarrhoe (AAD) bei einem Klinikaufenthalt reduzieren, fasste Professor Felix Stockenhuber aus Oberpullendorf die Ergebnisse einer Placebo-kontrollierten Studie zusammen. In der Gruppe mit Probiotika entwickelten 17 von 340 Patienten (5 %) eine AAD, in der Kontrollgruppe waren es 63 von 338 (18 %). Bei 21 Patienten aus der Kontrollgruppe (6 %) wurde die Diarrhoe durch C. difficile ausgelöst, in der Probiotikagruppe war dies bei keinem Patienten der Fall (Gut 57, 2008, Suppl II, A20). Weiter erhielten in der Klinik über 7000 Personen - Patienten und Personal - für ein Jahr täglich das probiotische Lebensmittel. In diesem Zeitraum traten Infektionen mit C. difficile bei vier Patienten auf, von denen drei bereits vor dem Klinikaufenthalt Antibiotika eingenommen hatten und den Keim möglicherweise mitbrachten. Die Gabe von L. casei Shirota könne der Verbreitung von C. difficile vorbeugen, so Stockenhuber.

Positive Wirkungen von probiotischen Bakterien auf das Entzündungsgeschehen bei CED konnte Gabriele Hörmannsperger von der TU München nachweisen, die für ihre Arbeit in Amsterdam mit dem Nachwuchsforscherpreis "Science for health" ausgezeichnet wurde. Sie zeigte, dass der Bakterienstamm L. casei die Bildung von "IP-10" in den Epithelzellen der Darmschleimhaut hemmt. Dieses Signalprotein führt bei Patienten mit CED zu einer übermäßigen Rekrutierung von Immunzellen, die die chronischen Entzündungsprozesse in der Darmschleimhaut fördern (PLoS ONE 4, 2009, e4365).

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