Ärzte Zeitung, 22.09.2005

Brucellose als Reise-Souvenir aus der Türkei

Immigranten und Touristen aus südlichen Ländern infizieren sich durch nichtpasteurisierte Schafsmilch

MÜNCHEN (ple). Ärzte sollten viel stärker als bisher damit rechnen, daß Touristen südlicher Länder und Immigranten mit unklarem Fieber an einer Brucellose erkrankt sein könnten. Darauf machen Münchener Mikrobiologen aufmerksam.

Deutschland ist seit fast fünf Jahren als Brucellose-frei anerkannt, ist also kein Endemiegebiet für diese durch Bakterien ausgelöste, etwa bei Rindern und Schweinen vorkommende Zoonose. Dennoch werden hier pro Jahr inzwischen mehr als 30 Patienten mit Brucellose den Gesundheitsämtern gemeldet.

Wie jetzt die retrospektive Analyse der Wissenschaftler am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr ergeben hat, hatten sich von den 31 erfaßten Patienten mit bakteriologisch bestätigter Erkrankung der Jahre 2002 und 2003 insgesamt 28 im Ausland, vor allem in der Türkei infiziert (Eur J Clin Microbiol Infect Dis 24, 2005, 450).

Sie waren entweder Touristen oder Immigranten, die ihr Heimatland besuchten. Infektionsquelle war vor allem nichtpasteurisierte Ziegen- oder Schafsmilch.

Ein Patient infizierte sich durch den Genuß roher Leber, ein anderer durch direkten Kontakt mit infizierten Schafen. Die Patienten klagten vor allem über grippeähnliche Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, ohne daß es zunächst eine Erklärung dafür gab.

19 Patienten hatten undulierendes Fieber. Bei 57 Prozent kam es zu Komplikationen an Gelenken, in der Lunge oder im Gehirn, an der Haut oder zu kardiovaskulären Komplikationen.

Lesen Sie dazu auch:
Mit Brucellose-Kranken ist auch in Deutschland durchaus zu rechnen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Neue Arzneien zum Schutz vor Brüchen

Osteoporose wird oft übersehen. Der Welt-Osteoporose Tag rückt die Erkrankung ins Bewusstsein. Zum Schutz vor Frakturen werden derzeit neue Substanzen erprobt. mehr »

Vergangenheit, die nicht vergeht

Ramstein, Eschede, Loveparade in Duisburg: Großunglücke lassen bei Opfern und oft auch bei Einsatzkräften seelische Wunden zurück. Psychotraumatologen können den Betroffenen in der Regel gut helfen. mehr »

Politik hat die Bedeutung der Arzneimittelforschung erkannt

Gute Versorgungsideen sind in der Politik willkommen, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Springer Medizin Gala zum Galenus-von-Pergamon-Preis klar. mehr »