Ärzte Zeitung, 02.04.2007

Ärzte erleben Reisemedizin am eigenen Leibe

Fortbildung auf reisemedizinischen Exkursionen / Besuch von Kliniken und Gastvorträge gehören zum Programm

BERLIN (ug). Was sind "hygienische einfache Bedingungen" in tropischen und subtropischen Ländern? Was müssen Touristen beachten, die in den Tropen mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen wollen? Wie reagiert der Körper in großer Höhe oder im schwülheißen Regenwald? Am besten können Ärzte das am eigenen Leib erfahren - auf einer reisemedizinischen Exkursion.

"Derjenige, der gut reisemedizinisch beraten will, muss praktische reisemedizinische Erfahrung haben", sagte Dr. Ulrich Klinsing vom Deutschen Fachverband Reisemedizin in Berlin. "Deshalb haben wir reisemedizinische Exkursionen entwickelt." Dabei gehe es um Wissensvermittlung, praktische reisemedizinische Tätigkeit und eigenes Reiseerleben gleichzeitig, so der Allgemeinmediziner aus Frankfurt am Main auf einer Veranstaltung des Centrums für Reisemedizin und des Auswärtigen Amts.

Die zehn- bis 14-tägigen Exkursionen führen nach Indien oder nach Ecuador. Dabei stelle Ecuador ganz Südamerika in einem relativ kleinen Bereich dar: Die Berge in den Anden sind bis über 6000 Meter hoch, das Amazonasgebiet ist ein Dschungel, und zu den Galapagosinseln geht es auf einem Kreuzfahrtschiff.

Übernachtet wird bei den Reisen nicht nur in First-Class-Hotels, sondern auch in einfachen Hotels, in einer Dschungellodge oder in Berghütten auf 3750 Metern. In den Anden erleben die Ärzte Höhenmedizin am eigenen Leib. Auf den Galapagosinseln geht es um Tauchmedizin. In der Amazonasregion lernen sie auch die Heilmittel des Regenwaldes und die Praktiken der Schamanen kennen.

Das hört sich an wie eine interessante Urlaubsreise, ist aber viel mehr. "Die gesamte Reise ist Fortbildung", sagte der Frankfurter Allgemeinmediziner, der diese Exkursionen leitet. Alle touristischen Aktivitäten werden in abendlichen Sitzungen reisemedizinisch aufgearbeitet. Es werden auch Kliniken besucht, Gespräche mit Hotelärzten geführt, Gastvorträge gehört, telemedizinische Einrichtungen besucht und etwa eine Dekompressionskammer für Taucher besichtigt. Die Exkursionen seien sehr intensiv, so Klinsing. Die Landesärztekammer Hessen zertifiziert die reisemedizinischen Exkursionen mit 63 Punkten.

Nächste Tour startet im Herbst

Die nächste Reisemedizinische Exkursion des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin nach Ecuador findet im Spätherbst in der Zeit vom 4. bis 19. November dieses Jahres statt. Die Reise wird in Zusammenarbeit mit dem Reiseveranstalter Windrose organisiert und kostet ungefähr 4200 Euro pro Person (einschließlich Flug).

Weitere Informationen zur Exkursion gibt es beim Deutschen Fachverband Reisemedizin,
Ingrid Bergmann,
Hansaallee 321,
40549 Düsseldorf
Telefon: 02 11 / 520 25 81
Internet: www.fachverband-reisemedizin.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »