Ärzte Zeitung, 22.06.2006

"Voltigieren ist eine hervorragende Konzentrationsschulung"

Die Turnübungen auf dem Pferd werden auch in der Heilpädagogik eingesetzt

GAIBERG (ddp.vwd). Voltigierer sind Bewegungskünstler. Was manchem bereits auf ebener Erde den Schweiß auf die Stirn treibt, bewerkstelligen sie auf dem Pferderücken im Galopp. Bei den Turnübungen auf dem an einer Longe geführten Tier ist vor allem eins gefragt: Balance.

Ein Mädchen springt von einem Voltigierpferd ab. Der dynamische Sport ist auch für Menschen mit Behinderungen geeignet. Foto: ddp

"Voltigieren ist eine hervorragende Gleichgewichts-, Haltungs-, Konzentrations- und Rhythmusschulung", sagt Ulrike Rieder, Autorin des Fachbuchs "Voltigieren. Vom Anfänger zum Könner". Dazu kommen Fertigkeiten wie Mut, Ausdauer und auch Kraft.

Partnerschaftlicher Umgang von Mensch und Tier ist beim Voltigieren unerläßlich. Kein Wunder, daß die vergleichsweise preisgünstige Pferdesportart - eine Gruppe von bis zu zwölf Sportlern teilt sich ein Pferd - auch in der Heilpädagogik eingesetzt wird. "Voltigieren in der Gruppe fördert Toleranz und Verantwortungsgefühl", betont Rieder.

Voltigieren ist ein Breitensport. Auf Ponys können der Fachfrau zufolge schon Vier- bis Fünfjährige erste Balanceübungen absolvieren. Therapeutisches Voltigieren ist auch für Menschen mit Behinderungen geeignet. "Blinde oder spastisch Behinderte können oft Erstaunliches auf dem Pferd leisten", sagt die Autorin.

Für viele ist Voltigieren der Einstieg in den Pferdesport. "Balance, wie sie beim Voltigieren trainiert wird, ist die Grundvoraussetzung für sicheres Reiten", betont Rieder. Anders als beim Reiten muß der Sportler das Pferd nicht kontrollieren, da dies der Longeführer für ihn übernimmt. Zwischen 60 000 und 100 000 aktive Voltigierer gibt es in Deutschland, schätzt die Expertin, die als Turnierrichterin bei internationalen Voltigierwettkämpfen tätig ist.

"Ursprünglich war Voltigieren ein Männersport ohne Altersgrenzen. Heute ist genau das Gegenteil der Fall." Vor allem bei jungen Mädchen ist die Sportart heute gefragt. Bei Wettkämpfen in den unteren Leistungsklassen dürfen Teilnehmer maximal 18 Jahre alt sein. In den oberen Leistungsklassen wurde die Altersbeschränkung im vergangenen Jahr aufgehoben.

Was Wettkampfsportler auf galoppierenden Pferderücken alles leisten, läßt sich vom 20. bis 27. August in Aachen bewundern. Dann kämpfen Voltigierer aus der ganzen Welt bei den World Equestrian Games um die WM-Titel.

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