Ärzte Zeitung, 21.03.2007

Jakobsweg und Rothaarsteig - die neue Lust am Wandern

Etwa acht Millionen Deutsche gehen einmal im Monat wandern / Neue Touren und Strecken ziehen Urlauber an

HAMBURG (dpa). Wandern - manche finden es spießig, andere, wie etwa Rainer Brämer vom Deutschen Wanderinstitut sehen eine Renaissance des Wanderns. Bücher zum Thema sind Bestseller.

Los geht’s: Wanderer informieren sich über das Wegenetz im Nationalpark Hochharz. Foto: dpa

Brämer spricht von etwa 40 Millionen Deutschen, die wandern. Etwa acht Millionen schnürten mindestens ein Mal im Monat die Wanderschuhe. "Wir beobachten seit Jahren steigende Zahlen. Die meisten Jugendlichen sind Wandermuffel - im Gegensatz zu den Erwachsenen, hier gibt es ein wachsendes Bedürfnis und eine neue Lust am Wandern."

Brämer, der an der Universität Marburg eine Forschungsgruppe zum Thema Wandern leitet, erklärt dies mit einer "High-Tech-Zivilisation, die uns mehr und mehr überfordert", und mit "mentaler Erschöpfung", die viele in der Natur nach Erholung suchen lasse.

Auf der Suche nach Gott und sich selbst war TV-Entertainer Hape Kerkeling. Der Bericht über seine Pilgerreise ("Ich bin dann mal weg - Meine Reise auf dem Jakobsweg") landete im vergangenen Jahr mit 1,1 Millionen verkauften Exemplaren auf dem Spitzenplatz bei den Sachbüchern.

Manuel Andrack, im Hauptberuf Assistent von Harald Schmidt, hat ebenfalls über seine Touren geschrieben. In seinem zweiten Buch "Wandern - Das deutsche Mittelgebirge für Amateure und Profis" nimmt der Kölner, der sich selbst als "Wanderjunkie" bezeichnet, an der Wanderweltmeisterschaft in Österreich teil, besucht einen Baumkronenpfad und ärgert sich über Nordic Walking.

Auch der Deutsche Wanderverband mit etwa 600 000 Mitgliedern in den Vereinen beobachtet zunehmendes Interesse. "Wandern ist wieder ein Thema, deswegen gibt es auch einen Markt für diese Bücher", sagt Ingo Seifert-Rösing, Verbandsreferent für Öffentlichkeitsarbeit. Hinter der Wanderlust steckten neben dem Naturerlebnis, der Freude an Bewegung auch das Streben nach Gesundheit und Interesse an der Heimatregion. Die Vermarktung von neuen Touren wie beispielsweise dem Rheinsteig über 320 Kilometer von Wiesbaden nach Bonn spiele ebenfalls eine Rolle.

"Viele Strecken sind heute abwechslungsreicher und spannender als früher. Und gute Wege wiederum ziehen neue Wanderer an", sagt Brämer. Viele Menschen entdeckten das Wandern ab Mitte 40 oder mit Anfang 50 für sich.

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