Ärzte Zeitung, 05.05.2011

Bei Dopingprävention ist der Hausarzt gefragt

Die meisten Freizeitsportler würden sich von Doping abhalten lassen, wenn denn nur die möglichen Gesundheitsfolgen vermittelt würden. Der Hausarzt kann dabei eine wichtige Rolle übernehmen.

Von Nicola Siegmund-Schultze

In Dopingfragen ist auch der Hausarzt gefragt

Jeder vierte Mann im Fitnessstudio greift zu leistungssteigernden Medikamenten.

© Kzenon/Fotolia

WIESBADEN. Im Freizeit- und Breitensport werden vergleichsweise häufig leistungssteigernde Arzneimittel verwendet wie anabole Steroide, Wachstumshormon und Schmerzmittel. Dabei unterschätzen die Anwender die Risiken.

Der Hausarzt hat eine wichtige Funktion bei der Aufklärung über mögliche unerwünschte Effekte von Doping wie Potenzstörungen und Infertilität: Jeder vierte Kaderathlet wendet sich in Dopingfragen zuerst an den Hausarzt, 65 bis 85 Prozent würden sich nach eigenen Angaben vom Doping abhalten lassen, wenn die möglichen Gesundheitsfolgen vermittelt würden.

Das hat Privatdozent Christoph Raschka von der Universität Frankfurt bei einem Symposium des Berufsverbands Deutscher Internisten berichtet.

Eine aktuelle Umfrage von Raschka und Kollegen hat ergeben: Circa jeder vierte männliche Freizeitsportler, der in einem kommerziellen Fitnessstudio trainiert, nimmt leistungssteigernde Medikamente ein, etwa 14 Prozent sind es unter den in Fitnesscentern trainierenden Frauen.

Die Umfrage ist an elf Fitnessstudios im Großraum Frankfurt gemacht worden. "Die Prävention von Doping im Freizeitbereich durch Beratung in der Hausarztpraxis muss verbessert werden", sagte Raschka, als er die Daten beim Internistenkongress in Wiesbaden vorstellte.

484 Sportler hatten sich an der Umfrage beteiligt, darunter auch solche, die an universitären Einrichtungen trainieren. Wurden die an Universitäten trainierenden in die Auswertung einbezogen (Gesamtgruppe), nahmen 12,9 Prozent der Männer und 3,6 Prozent der Frauen leistungssteigernde Arzneimittel ein.

Die Ergebnisse zum Gebrauch leistungsfördernder Medikamente von Freizeitsportlern, die in kommerziellen Studios trainieren, entsprechen etwa denen einer Untersuchung von 1998 in 24 norddeutschen Fitnessstudios:

In dieser Studie von Boos und Kollegen hatten 24 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen die Einnahme von einem oder mehreren Medikamenten zur Leistungssteigerung angegeben. 15 Prozent der Befragten nannten als Quelle für die Leistungsförderer ärztliche Verordnungen, in der aktuellen Studie von Raschka waren es sogar 28 Prozent. Der Einstieg in Doping erfolge im Durchschnitt nach zwei Jahren Training.

Wachstumshormone und anabole Steroide waren die am häufigsten verwendeten Substanzen.

Eine rasche Zunahme der Muskelmasse bei gleichzeitiger Reduktion des prozentualen Fettanteils, Auftreten von Dopingstigmata wie Akromegalie und Alopezie, zunehmende Aggressivität, Schlaflosigkeit, hoher Verbrauch von Nahrungssupplementen und die Nachfrage nach leistungsfördernden Medikamenten gehörten zu den Hinweisen auf Doping.

Außer Laboruntersuchungen wie kleinem Blutbild, Elektrolytbestimmung, Cholesterin, Leber-, Nieren- und Schilddrüsenfunktionsparametern sei eine Hepatitis- und HIV-Serologie sinnvoll, wenn möglicherweise Infektionsnadeln ausgetauscht wurden.

Die Prävalenz von Hepatitis C betrage bei Bodybuildern einer Studie von 2002 zufolge 9,5 Prozent und 12 Prozent für Hepatitis B. Bei Abusus von Somatostatin sei eine Sonografie von Abdomen und Schilddrüse durch den Internisten sinnvoll und eine Untersuchung der Körperzusammensetzung, bei der Anwendung anaboler Steroide ein Spermiogramm beim Urologen.

"Männer auf Impotenz mit Hodenatrophie und verminderter Spermienproduktion als mögliche Folge von Doping hinzuweisen, hat oft eine abschreckende Wirkung", sagte Raschka.

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Kampf gegen Doping soll zentralisiert werden

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