Ärzte Zeitung, 20.06.2008

Mehr Einsatz gegen Kinderarmut gefordert

Kinder- und Jugendärzte werfen Politikern ungenügendes Engagement vor / Maßnahmenpaket vorgestellt

BERLIN (ras). Die Kinder- und Jugendärzte kritisieren, dass Politiker bislang viel zu wenig gegen die zunehmende Kinderarmut in Deutschland unternehmen.

"Uns stört gewaltig, dass immer nur über Kinderarmut diskutiert wird," sagte Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte beim Kinder- und Jugend-Ärztetag 2008 in Berlin. Zwar sei längst bekannt, dass Kinder aus armen Familien mehr frühkindliche Entwicklungsdefizite aufweisen, eine überaus schlechte Sozialprognose haben und häufiger zu psychischen und psychosomatischen Erkrankungen neigen. Dies, so Hartmann, "erleben wir derzeit regelmäßig in unseren Praxen." Trotzdem passiere viel zu wenig, um die Kinderarmut in Deutschland einzudämmen.

Zwar gebe es eine Reihe positiver Ansätze wie die neue Kindergartenuntersuchung U 7a, die Stärkung der frühkindlichen Erziehung oder höhere finanzielle Zuwendungen an die Eltern. Damit allein sei es aber nicht getan. Hartmann forderte in Berlin ein Maßnahmenpaket von der Regierung. Dazu gehört auch die Finanzierung von aufsuchenden mobilen Teams vor allem in sozial benachteiligten Regionen, damit Ärzte einkommensschwache Familien überhaupt erreichen können.

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