Ärzte Zeitung, 09.03.2009

Kommentar

Uniklinika müssen sich neu aufstellen

Von Thomas Hommel

Der Wandel im Gesundheitswesen macht auch vor den Uniklinika in Deutschland nicht halt. Besonders zu schaffen macht ihnen, dass die fallpauschalierte Krankenhausfinanzierung den hohen Aufwand, den Spitzenmedizin, Lehre und Forschung nach sich ziehen, nicht abdeckt. Das hat zur Folge, dass die Uniklinika auf den Mehrkosten der von ihnen betriebenen Supramaximalmedizin sitzen bleiben.

Vorbei sind die Zeiten, in denen die Landesfürsten ihre Eliteburgen hätschelten und vor Anpassungen an neue Anforderungen fernhielten. Heute fordern Politiker via Aufsichtsrat, dass sich die Unikliniken dem Wettbewerb stellen und schwarze Zahlen schreiben. Um das zu schaffen, gehören verkrustete Strukturen auf den Prüfstand. Professionelles Management muss her und die politische Gängelei aufhören.

Auch muss eine Uniklinik nicht jede Blinddarm-Op machen. Die Konzentration auf Spitzenmedizin wäre der bessere Weg. Dass es demnächst zu einer Privatisierungswelle der Hochschulmedizin kommt, ist zu bezweifeln. Die Renditeerwartungen der privaten Klinikbetreiber sind zu hoch. Mancher Vorstand träumt von zehn Prozent und mehr. Realistisch sind fünf. Die Privatisierung der Uniklinik Marburg/Gießen bleibt ein Einzelfall. Vorerst.

Lesen Sie dazu auch:
Deutsche Unikliniken in der Investitionsfalle

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