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Ärzte Zeitung, 24.03.2009

Ärztemangel? Da sind auch Kommunen gefragt

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Ärztemangel nicht auf die neuen Bundesländer oder einzelne Randgebiete im Westen begrenzt bleiben wird. Verschiedene Akteure sind gefragt, um rechtzeitig die richtigen Weichen zu stellen.

Von Ilse Schlingensiepen

Allgemeinarzt im Einsatz: auf dem Land sind Anfahrtswege oft lang.

Foto: dpa

Essen. Wenn es darum geht, dem drohenden Ärztemangel in einzelnen Regionen zu begegnen, müssen die Kommunen eine aktive Rolle einnehmen. Sie sollten sich mit innovativen Konzepten an der Diskussion beteiligen und zu Investitionen bereit sein. Davon zeigt sich Ansgar von der Osten überzeugt, stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs Sicherstellung und Zulassung der KV Westfalen-Lippe (KVWL).

"Ärztlicher Nachwuchs ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern der Arbeits- und Lebensbedingungen vor Ort", sagte von der Osten beim Gesundheitskongress des Westens in Essen. "Vor allem die Sicherstellung in ländlichen Bezirken setzt ein aktives Mitwirken der Kommunen voraus." Auf den Ärztemangel gebe es keine pauschale Antwort. "Aber es gibt viele regionale und lokale Antworten."

Vernetzung ist bei Ärztemangel eine Gegenstrategie.

Nach den Erfahrungen der KVWL ist gerade die ärztliche Versorgung in kleineren ländlichen Gemeinden mit rund 10 000 Einwohnern bedroht. In einzelnen Gemeinden in Westfalen-Lippe versorgen bereits wenige Hausarztpraxen die Bevölkerung, Facharztpraxen gibt es nur noch vereinzelt. Die meisten Ärzte verzeichnen dort überdurchschnittliche Fallzahlen. "Jede Praxisschließung schlägt auf die verbleibenden Praxen voll durch", sagte er. Genau in diesen Gemeinden gestalte sich die Nachwuchssuche schwierig.

"Die Zukunft der ambulanten Medizin, gerade auf dem Land, liegt in der kompetenten Vernetzung", sagte von der Osten. Hier habe das neue Vertragsarztrecht viele Handlungsmöglichkeiten geschaffen. Um das Potenzial zu nutzen, sei aber mehr gefragt als die Gründung von überörtlichen Gemeinschaftspraxen oder Filialen. Es gehe darum, engagierte Ärzte mit Vertretern der KV, der Gemeinde, der Wirtschaftsförderung, mit Investoren und mit anderen Gesundheitsberufen an einen Tisch zu bringen.

In Westfalen-Lippe gebe es bereits mehrere solcher Initiativen, die oft von Krankenhäusern ausgehen. "Kerngedanke solcher Projekte ist die Errichtung eines ambulanten Zentrums, zumeist ein Facharztzentrum, das im Rahmen einer größeren Kooperation mit Hausarztpraxen verzahnt werden kann." Wichtig sei, dass die Niedergelassenen dabei auf Augenhöhe einbezogen werden.

Funktionieren können solche Konzepte aber nur, wenn die Kommunen mitziehen, sagte er. "Sie müssen den Nutzen für den Standort und für den Erhalt ihres Krankenhauses erkennen, und sie müssen auch bereit sein, zu investieren." Wie man dem drohenden Ärztemangel begegne, hänge auch von regionalen und lokalen Besonderheiten ab. Einzelne Kommunen überlegten bereits, Patientenbringdienste einzurichten, damit der Arzt seine wertvolle Zeit nicht mit kilometerlangen Fahrten verbringe. "Statt Jammern ist Handeln gefragt. Das gilt für alle Beteiligten", sagte von der Osten.

Software macht Versorgungslage transparent

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat eine Software entwickelt, mit der sich die KVen einen Überblick über die Versorgungslage in einzelnen Regionen verschaffen können. Die Software liefert Angaben zu Zahl und Alter der Ärzte - nach Fachgruppen, Schwerpunktbezeichnungen, Weiterbildungen oder KV-Genehmigungen - und Angaben zu den Einwohnern, gewichtet nach dem Alter und der Morbidität. "Man kann sich für jede Gemeinde die Versorgungslage anzeigen lassen", sagte Dr. Thomas Kopetsch, Leiter der KBV-Abteilung Bedarfsplanung, beim Gesundheitskongress des Westens. Mit der Software können die KVen simulieren, welche Auswirkungen es auf die Versorgung hat, wenn sich ein Arzt an einem bestimmten Ort niederlässt oder wenn eine Praxis schließt. (iss)

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