Ärzte Zeitung, 10.11.2010

Frühes Screening in Kliniken soll Killerkeime besiegen

Nosokomiale Infektionen stellen ein wachsendes und teures Problem dar. Experten sprechen sich daher für Regeluntersuchungen schon bei der Klinikaufnahme aus.

BERLIN (hom). Hygieneexperten haben sich dafür ausgesprochen, jeden Krankenhauspatient in Deutschland schon bei der Aufnahme auf multiresistente Keime (MRSA) hin zu untersuchen. Bund und Länder hätten für eine "konsequente" Umsetzung entsprechender Screening-Verfahren zu sorgen, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Professor Martin Exner, am Dienstag in Berlin. Erregerscreenings seien die "entscheidende Voraussetzung, "um unmittelbar krankenhaushygienische Maßnahmen einleiten zu können".

Dazu gehöre auch, MRSA-Patienten von anderen Patienten zu trennen, um eine Übertragung der Keime zu vermeiden und infizierte Personen angemessen behandeln zu können. Stigmatisiert werden solle niemand, so Exner. Screenings seien ein wichtiger, aber eben nur ein Mosaikstein einer umfassenden Strategie zur Verbesserung der Krankenhaushygiene. Nötig sei auch eine bundeseinheitliche Hygiene-Verordnung, so Exner.

Nach Schätzungen der DGKH ziehen sich in deutschen Kliniken jährlich bis zu einer Million Patienten eine Infektion zu. Rund 30 000 Patienten sterben daran. Als besonders gefährlich werden Erreger eingestuft, die gegen ein oder mehrere Medikamente Resistenzen entwickelt haben. Solche Erreger stellten ein "eskalierendes Problem" in Kliniken dar, sagte Exner.

Der Chef des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH), Matthias Borst, sagte, mit Hilfe von Erregerscreenings ließe sich das "Einschleppen gefährlicher Keime in Kliniken wirksam bekämpfen". Die Industrie biete Instrumente, um "Erreger frühzeitig zu erkennen". Nur müssten diese Verfahren auch eingesetzt werden. Durch ein flächendeckendes Screening auf gefährliche Keime lasse sich in Deutschland im Jahr rund eine Milliarde Euro einsparen, rechnete Borst vor.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

O-Saft senkt das Gicht-Risiko - und hält schlank

Vom Saulus zum Paulus: Galten Fruchtsäfte einst als gesunde Getränke, verbannen heute sogar manche Schulen die süßen Säfte. Forscher brechen jetzt eine Lanze für Orangensaft. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »

Prä-Op-Leistungen - Und wer zahlt jetzt das Labor?

Wenn eine Leistung in der anderen enthalten ist, kann sie nicht gesondert abgerechnet werden. Diese Regelung greift unter anderem beim präoperativen Labor. Die Laborreform ändert daran nichts. mehr »