Ärzte Zeitung, 29.06.2011

Viel Hilfe von Ärzten für Menschen ohne Papiere

In Schleswig-Holstein sind viele Ärzte bereit, Menschen, die sich ohne Papiere in Deutschland aufhalten, zu helfen. Der Bedarf ist groß.

Von Dirk Schnack

Viel Hilfe von Ärzten für Menschen ohne Papiere

In Deutschland halten sich tausende Menschen illegal auf. Für sie ist es ein großes Problem, medizinische Hilfe zu bekommen.

© kebox / fotolia.com

KIEL. Das Kieler Medi-Büro erfährt von niedergelassenen Ärzten breite Unterstützung. Inzwischen hat die 2009 gegründete Anlaufstelle über 40 Kontakte zu Praxen, die Menschen ohne Papiere unentgeltlich helfen.

"Ärzte dürfen keine Daten an Ausländerbehörden weitergeben", betonten Mona Golla und Surya Stülpe vom Medi-Büro bei der Vorstellung ihrer Tätigkeit im Kieler Migrantenforum.

Damit klärten sie eine der wichtigsten Fragen für Menschen ohne Papiere, die sich oft aus Angst vor Abschiebung nicht in Arztpraxen trauen: Die behandelnden Ärzte verzichten auf die Identifikation der Betroffenen.

In Kiel vermittelt das Medi-Büro inzwischen unter anderem an sieben Hausärzte, sieben Gynäkologen, einen Internisten, fünf Pädiater und zwei Orthopäden, die illegalisierte Menschen unentgeltlich behandeln.

Insgesamt haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den vergangenen Monaten 45 Ratsuchende vermittelt, darunter 13 schwangere Frauen und vier Kinder. Der Hilfebedarf wird allerdings deutlich höher eingeschätzt, da die Zahl der Menschen ohne Papiere kaum ermittelt werden kann - Schätzungen variieren zwischen 1000 und 10.000 für das nördlichste Bundesland.

Erkrankungen bleiben in der Regel unbehandelt und werden verschleppt. Wer sich trotz Angst vor Aufdeckung der wahren Identität in eine Arztpraxis traut, zahlt entweder bar oder nutzt fremde Krankenversicherungskarten.

Nach Erfahrungen des Medi-Büros dürfte der Bedarf nach medizinischer Hilfe deutlich größer sein als bei Menschen mit Papieren, weil die sich illegal in Deutschland aufhaltenden Menschen häufig auf gering bezahlte Tätigkeiten mit unzureichendem Gesundheitsschutz angewiesen sind.

Das Medi-Büro ist mit zwei Personen besetzt, wovon immer eine weiblich ist und eine über eine medizinische Ausbildung verfügt.

Untersuchungen finden im Büro nicht statt, auch Medikamente werden nicht abgegeben, es wird nur in Praxen vermittelt. Bundesweit gibt es Medi-Büros inzwischen an 30 Standorten.

www.medibueros.org

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