Kongress, 16.04.2012

Der mündige Patient informiert sich

Bitte nicht stören, hier tagt die DGIM? Nix da, geschlossene Kongresstüren gab es gestern. Heute gehen die Internisten offensiv auf die Wiesbadener zu: Der sechste Patiententag im Rathaus war wieder ein großer Erfolg.

Von Christoph Fuhr

Der mündige Patient informiert sich

Sind die Hände wirklich gut desinfiziert? Dorothea Mischler vom MRT-Netz Rhein-Main zeigt das mit Hilfe einer speziellen Box und fluoreszierendem Licht.

© Sven Bratulic

WIESBADEN. "Sie glauben tatsächlich, Sie hätten ihre Hände gründlich desinfiziert?" Dorothea Mischler vom MRT-Netz Rhein-Main verblüfft beim Patiententag mit einer speziellen Blackbox. Fluoreszierendes Licht in dem Kasten macht Hautpartien, die nicht sauber sind, sofort sichtbar.

Zuerst gilt allerdings: Hände desinfizieren! "Meine Güte nochmal, was da bei mir alles noch zu sehen ist", wundert sich ein junger Mann beim Blick in die Box.

Das Informationsangebot beim Patiententag ist im Laufe der Jahre immer größer geworden und wird ständig erweitert. Rheuma, Herzmedizin, Nieren- und Lungenerkrankungen - die Palette an Themen ist groß.

Und erstmals werden auch Männerprobleme in den Fokus gerückt. "Warum muss ich nachts immer häufiger auf die Toilette?", fragt ein älterer Mann verunsichert, hinterher weiß er mehr.

Ein wichtiger Bestandteil des Info-Tages sind die Selbsthilfegruppen - auch als Ansprechpartner für chronisch-kranke Menschen. Hier können sie die Erfahrung machen, dass auch andere Patienten ein ähnliches Schicksal haben und sich dennoch nicht entmutigen lassen: Mit viel Energie haben sie sich ein umfassendes Wissen über die medizinischen Hintergründe ihrer Krankheit aufgebaut.

Denn genau darum geht es ja beim Patiententag - auch aus Sicht von Kongresspräsident Professor Joachim Mössner "Der mündige Patient soll zu einem eigenverantwortlichen Umgang mit der eigenen Gesundheit angeregt werden", sagt er.

Allzu oft taucht der viel zitierte "mündige Patient" in Politikerreden auf, um zuweilen fragwürdige gesundheitspolitische Entscheidungen zu rechtfertigen. Im Rathaus Wiesbaden aber, darüber kann es keinen Zweifel geben, war dieser Patient am Samstag richtig gut aufgehoben.

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