Ärzte Zeitung online, 31.10.2013
 

Aids / HIV

Neue Kampagne wirbt um Solidarität

HIV-positive Menschen werden weiterhin diskriminiert und stigmatisiert. Eine neue Kampagne will das ändern: Sie zeigt Menschen, die das HI-Virus in sich tragen gemeinsam mit nicht infizierten Menschen, die sich mit ihnen solidarisieren.

Von Ilse Schlingensiepen

Neue Kampagne wirbt um Solidarität

Solidarität mit Betroffenen zeigen: Aktuelles Plakatmotiv der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

© BZgA

KÖLN. Es gibt keinen Grund, in der Aufklärung über HIV und Aids und im Werben um Solidarität mit Betroffenen nachzulassen. Das hat Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) deutlich gemacht.

"Leider gibt es weiter Diskriminierung und Stigmatisierung", sagte Bahr beim Auftakt zur diesjährigen Welt-Aids-Tag-Aktion, die unter dem Motto "Positiv zusammen leben" steht.

Wie bereits im Vorjahr hat die Kampagne den Themenschwerpunkt "HIV in der Arbeitswelt". Rund zwei Drittel der 78.000 HIV-positiven Menschen in Deutschland sind berufstätig.

"Es ist wichtig, dass sich die Arbeitgeber um das Thema kümmern", sagte Bahr. Zum einen könne es in jeder Belegschaft Menschen mit HIV geben, zum anderen gehe es darum, insgesamt die Toleranz zu fördern.

"Wir wollen, dass HIV-positive Menschen an der Gesellschaft teilnehmen." Dazu zähle auch die Arbeitswelt.

Autohersteller unterstützt Kampagne

Der Autohersteller Ford, auf dessen Gelände die Auftaktveranstaltung stattfand, unterstützt die Kampagne. "Wir wollen Solidarität zeigen", betonte Rainer Ludwig, Geschäftsführer Personal-/Sozialwesen der Ford-Werke GmbH.

Das Unternehmen informiert die Belegschaft auf mehreren Wegen über das Thema: ein gemeinsames Schreiben von Geschäftsführung und Betriebsrat, die Ford-Zeitung und das unternehmensinterne Fernsehen.

Bei Ford sei es inzwischen normal, dass sich Mitarbeiter zu ihrer Homosexualität bekennen, berichtete Ludwig. "Es ist aber immer noch nicht normal, sich als HIV-Positiver zu outen."

In diesem Jahr werben auf Plakaten HIV-Positive gemeinsam mit Nicht-Betroffenen um Solidarität. Dazu gehören der HIV-positive Unternehmer Holger und seine Mitarbeiterin Leonie.

"Man muss Solidarität vorleben, deshalb war es für mich keine Frage, bei der Aktion mitzumachen", erklärte Leonie.

Welt-Aids-Tag am 1. Dezember

Man müsse auch denjenigen ein Gesicht zu geben, die Menschen mit HIV unterstützen, sagte Professor Elisabeth Pott, die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

"Es gehört Mut dazu, öffentlich zu Menschen zu stehen, die von Diskriminierung bedroht sind", sagte Pott.

Für Minister Bahr ist die Arbeit mit authentischen Botschaftern ein Teil des Erfolgs der Kampagne zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember.

"Wenn wir keine Menschen hätten, die ihre persönliche Geschichte erzählen, dann müsste die Bundeszentrale Models nehmen, und das wäre ganz schlecht."

[01.11.2013, 12:41:54]
Hauke Gerlof 
Vielen Dank für den Hinweis!
Sehr geehrter Herr Schwarze,
vielen Dank für den Hinweis! Das war ein Vertipper, der in der Hektik des Redaktionsalltags leider nicht bemerkt wurde. Die Zahl ist mittlerweile korrigiert: Es sind 78.000 Infizierte.
Mit freundlichen Grüßen
Hauke Gerlof
Stellv. Chefredakteur
 zum Beitrag »
[31.10.2013, 12:46:09]
Siegfried Schwarze 
Diskriminierung durch Ärzte
Man sollte auch darauf hinweisen, dass ein Großteil der Diskriminierung immer noch von Ärzten ausgeht:
Zahnärzte, die sich weigern, HIV-Patienten zu behandeln, Ärzte, die HIV-Patienten nur OP-Termine am Ende des Tages einräumen (weil der OP danach angeblich besonders gut gereinigt werden muss - was für ein Saustall herrscht da den sonst?) oder die mit völlig übertriebenen Maßnahmen (doppelte Handschuhe bei einem Radiologen) an die Patienten herangehen.
ca. Drei Viertel der Patienten sind heute erfolgreich behandelt, d.h. sie haben eine nicht nachweisbare Viruslast und sind damit nicht infektiös! Und auch bei nachweisbarer Viruslast sind die Übertragungswege bekannt: Ungeschützter Geschlechtsverkehr und Blut-Blut-Kontakt. Beides sollte in der Arztpraxis eher selten auftreten... zum Beitrag »
[31.10.2013, 12:38:36]
Siegfried Schwarze 
Zahl der Infizierten ist um den Faktor 10 geringer!
Bei der Zahl der HIV-Infizierten in Deutschland haben Sie sich wohl um den Faktor 10 vertan. 78.900 kommt der Realität näher. zum Beitrag »

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