Ärzte Zeitung, 29.12.2016
 

HIV-Behandlung

1,6 Milliarden Euro gesamtgesellschaftliche Kosten

Die Behandlung HIV-infizierter Menschen pro Fall ist – vor allem wegen der Arzneimittelkosten – überdurchschnittlich teuer. Die Belastung der Gesellschaft ist aber marginal.

1,6 Milliarden Euro gesamtgesellschaftliche Kosten

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Die Behandlung eines HIV-infizierten Menschen kostet die gesetzliche Krankenversicherung im Durchschnitt 19.103 Euro, aus der gesamtgesellschaftlichen Perspektive fallen Kosten in Höhe von knapp 23.300 Euro an. Ursächlich für den Unterschied ist, dass die Krankenkassen die Lasten der teilweisen und vollen Erwerbsminderung (1294 und 337 Euro) nicht tragen. Ferner werden die Kosten für Haushaltshilfen sowie Fahrtkosten zu erheblichen Teilen von den betroffenen Patienten aus eigener Tasche finanziert – oder andere Kostenträger als die Krankenkassen treten dafür ein.

Die Zahlen sind im Rahmen der K3A-Studie von Gesundheitsökonomen am Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen ermittelt worden.

Absolut dominant bei der HIV-Aids-Therapie sind die Kosten für Arzneimittel, die bei 17.045 Euro pro Fall liegen. Gefolgt werden sie von den Kosten für die fachärztliche Behandlung in Höhe von 1335 Euro (GKV-Perspektive) und 1518 Euro (gesamtgesellschaftliche Perspektive, bei der die PKV einschließlich der Selbstbeteiligungen einbezogen ist). Dagegen liegen die jährlichen Fallkosten für den HIV-Arzt bei lediglich 66 Euro (GKV-Perspektive).

Überraschend niedrig fallen die Kosten für stationäre Aufenthalte aus: 236 Euro in der GKV-Perspektive, 269 Euro in der gesamtgesellschaftlichen Perspektive. Das heißt: Die Versorgung von HIV-Patienten wird ganz überwiegend von niedergelassenen Ärzten geschultert. Nur in geringem Umfang fallen Rehabilitationskosten an: 44 Euro im Durchschnitt bei den Krankenkassen, 122 Euro als Kosten der Gesamtgesellschaft.

Wie erfolgreich die Behandlung der von HIV und Aids betroffenen Menschen inzwischen ist, zeigen die Kosten für Arbeitsunfähigkeit: Sie liegen in der gesamtgesellschaftlichen Perspektive bei 489 Euro pro Fall und Jahr, sie sind mit 206 Euro, die die Krankenkassen als Krankengeld leisten, deutlich niedriger.

Die Behandlung von Frauen mit einer HIV-Infektion ist wesentlich kostengünstiger und weicht um 6963 Euro nach unten ab. Hingegen ist die Kombination HIV-Infektion und intravenöser Drogengebrauch ein Kostenrisiko: Die Fallkosten lieg um 8360 Euro über dem Durchschnitt.

Die Kosten der HIV-Behandlung, die die Krankenkassen tragen, werden im morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich mit 18.455 Euro relativ zutreffend abgebildet, wie die Gesundheitsökonomen ermittelten.

Obgleich die Kosten für HIV in Deutschland im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch sind, so machen sie mit näherungsweise knapp 1,5 Milliarden Euro nur etwa 0,7 Prozent der Gesamtausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung aus. (HL)

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