Ärzte Zeitung online, 13.07.2017
 

Reform des Medizinstudiums

Landarztquote: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Der Masterplan Medizinstudium 2020 räumt den Ländern die Option einer Landarztquote ein. Doch viele sind zögerlich – und vier Länder lehnen völlig ab.

Von Jana Kötter

Landarztquote: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Bei der Umsetzung der Landarztquote hapert es gewaltig. (c) picture-alliance / Ulrich Baumga

NEU-ISENBURG. In Sachen Landarztquote wird sich Deutschland wohl zum föderalen Flickenteppich entwickeln: Denn noch läuft in einem Großteil der Bundesländer der Abstimmungsprozess, ob von dem Instrument Gebrauch gemacht werden soll.

Allein Bayern hat die Einführung einer Quote für Medizinstudenten, die sich für eine spätere Tätigkeit in unterversorgten Gebieten verpflichten, bereits angestoßen. Berlin, Schleswig-Holstein, Hessen und Hamburg positionieren sich aktuell klar gegen die Einführung; Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein erachten die Quote als "Ultimo ratio". Das zeigt eine Umfrage der "Ärzte Zeitung" unter den zuständigen Gesundheits- und Wissenschaftsministerien.

Die Option, eine Landarztquote einzuführen, eröffnet der Masterplan Medizinstudium 2020. Die Ende März unterzeichnete Reform des Medizinstudiums sieht vor, dass bis zu zehn Prozent der Studienplätze vorab an Bewerber vergeben werden können, die nach Ausbildungsabschluss für bis zu zehn Jahre in der Hausarztversorgung im ländlichen Raum tätig sein werden.

Die Frage, ob eine solche Quote verpflichtendes Element in der Studienreform werden soll, war bis zuletzt unter den Ländern strittig geblieben.

Lesen Sie dazu auch:
Landarztquote: Länder zögern noch

Tatsächlich ist Bayern bisher das einzige Land, das sich positiv positioniert hat. Ab dem Wintersemester 2019/2020 sollen fünf bis zu Prozent der Studienplätze im Freistaat an Nachwuchsmediziner vergeben werden, die sich für die Hausarzttätigkeit auf dem Land verpflichten.

Das Kabinett hat den Fahrplan am Mittwoch begrüßt. Im ersten Schritt müsse nun die Vergabeverordnung der Stiftung für Hochschulzulassung geändert werden, anschließend werde das Wissenschaftsministerium die Zulassungsverordnung anpassen, erklärte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

Der Großteil der Länder befürwortet die Quote prinzipiell, ist jedoch noch im Abstimmungsprozess. In Rheinland-Pfalz oder Sachsen-Anhalt wurden interministerielle Arbeitsgruppen gebildet. Neben Fragen der Sinnhaftigkeit geht es in vielen Ländern auch um rechtliche Rahmenbedingungen. "Wie wird die Einhaltung der Verpflichtung überwacht und wie wird die Nichteinhaltung sanktioniert?", seien etwa offene Fragen in Thüringen.

Landarztquote

- Die Länder erhalten die Option, bis zu zehn Prozent der Studienplätze an Bewerber zu vergeben, die sich verpflichten, nach der Weiterbildung "bis zu zehn Jahre" hausärztlich in schlecht versorgten Regionen zu arbeiten.

- Die Quote ist eine von 41 Maßnahmen des Masterplans Medizinstudium 2020.

- Die Regelung ist ein Kompromiss: Anstelle einer umstrittenen verpflichtenden Quote hatten sich die Länder auf die "Öffnungsklausel" geeinigt.

Was steht noch im Masterplan? www.aerztezeitung.de/932853


[14.07.2017, 13:18:18]
Martin Junker 
Eine von vielen Möglichkeiten
Eine Landarztquote kann, vernünftig und praxisnah ausgestaltet, hilfreich sein! 1) Die Plätze müssen/sollten "ad on", zusätzlich vergeben werden. 2) Eine Verpflichtung kann nicht "sittenwidrig" sein, denn die Studenten/innen sind alle großjährig, wissen, worauf sie sich einlassen. Dieselben Bedingungen gibt es längst bei Berufsarmee, -Feuerwehr, Stipendien etc.! 3) Ein Freikauf bringt aber in jedem Fall einen zusätzlichen Arzt, denn auch bei Fachärzten droht der Mangel, besonders auf dem Land! Aber auch die Freikaufregelung kann man mit besonderen Bedingungen versehen.
4) Kaum jemand wird tatsächlich wechseln, wenn er erst einmal die (schon eingeschränkte) Freiheit eines "Freien Berufs" kennengelernt hat. 5) Wenn man erst mal "etabliert" ist, mit Familie, bleibt nicht viel Lust auf Remmidemmi/Großstadt, lernt man schnell ruhiges Wohnen im Grünen, kinderfreundlich, schätzen, ist in der Regel schneller in einer Großstadt als von Bochum-Nord nach -Süd.
Also: auch Landarztquote ist ein gutes Mittel zum Zweck! Wissen die ablehnenden Funktionäre was Besseres?? zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »