Ärzte Zeitung online, 02.11.2017

Schleswig-Holstein

Gesundheitsminister entschuldigt sich für Medikamententests

KIEL. Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (FDP) hat sich im Namen der Landesregierung bei den Opfern von Medikamententests im früheren Landeskrankenhaus Schleswig entschuldigt. Garg betonte, dass sich das Erlittene mit einer Entschuldigung zwar nicht wiedergutmachen lässt. "Aber trotzdem sehe ich mich in der moralischen Verpflichtung. Das tue ich auch von Herzen, mich im Namen der Landesregierung für dieses Leid zu entschuldigen."

Nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks, dessen Reporter erstmals vor einem Jahr über das Thema berichtet hatten und dessen Mitarbeiter dafür mit dem Medienpreis der Interessengemeinschaft der Heilberufe (IDH) ausgezeichnet wurden, haben Ärzte des früheren Landeskrankenhauses von den 50er bis zu den 70er Jahren an mindestens 3500 Probanden – darunter 1000 Kinder und Jugendliche – Medikamente getestet.

Viele der noch lebenden Opfer fordern eine Aufarbeitung durch das Land und die Anerkennung der Tests als Unrecht. Laut NDR bezeichnete der Verband ehemaliger Heimkinder in Schleswig-Holstein die Entschuldigung Gargs als ein "spätes, aber richtiges Signal". Garg hatte angekündigt, dass eine Studie das Thema aufarbeiten soll. Sie soll bis 2020 abgeschlossen sein und laut Garg als Grundlage für mögliche weitere Maßnahmen dienen. (di)

Lesen Sie dazu auch:
Medikamententests an Heimkindern?: Ein Betroffener erzählt

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Erhöhtes Krebsrisiko durch Kuhmilch und Rindfleisch?

Forscher sind krebsauslösenden Agenzien auf der Spur, die in Milch und Rindfleisch stecken. Sie sind dadurch wohl auch auf den Grund gestoßen, warum Stillen das Krebsrisiko senkt. mehr »

Homöopathie-Ausschluss für CME-Punkte?

Werden in Berlin künftig keine CME-Punkte mehr für Fortbildungsveranstaltungen zur Homöopathie vergeben? Die Diskussion darüber läuft noch. mehr »

Dort, wo die Folgekoloskopie nötig ist, erfolgt sie oft nicht

Bei der Nachsorge von Patienten nach Screening-Koloskopien besteht eine erhebliche Über- und Unterdiagnostik - je nach Adenomtyp, so Daten der KolosSal-Studie. mehr »