Ärzte Zeitung online, 18.05.2018

"Deutschland-Report"

In Deutschland gibt es"weder Hölle noch Paradies" bei der Gesundheit

Die Lebensumstände in Deutschland sind weitgehend gleichwertig – gemessen an 53 Indikatoren, die unter anderem Gesundheit, Arbeit und Freizeit berücksichtigen, so der "Deutschland-Report".

Von Matthias Wallenfels

„Weder Hölle noch Paradies“: Wohnen und Gesundheit in Deutschland

Wohlfühloase Englischer Garten: München bietet laut Deutschland- Studie bundesweit die beste Lebensqualität.

© picture alliance / Ulrich Baumga

Seit Freitag liegt "erstmals ein umfängliches Ranking zu den Lebensumständen in Deutschlands Regionen" vor, wie das Prognos-Institut betont. Es hat im Auftrag von "ZDFzeit" – auf statistischer Basis – alle deutschlandweit 401 Kreise und Städte analysiert. Dabei konnten diese je maximal 100 Punkte in den drei Kategorien "Arbeit & Wohnen", "Gesundheit & Sicherheit" sowie "Freizeit und Natur" erzielen.

Ergebnis der Deutschland-Studie: Die Lebensverhältnisse hierzulande sind weitgehend gleichwertig – bezogen auf die 53 ausgewerteten sozioökonomischen Indikatoren. Zwar gibt es laut Auswertung messbare Unterschiede – und auch einige Ausreißer nach unten, um die man sich sorgen müsse. "Aber man findet in Deutschland weder die ‚Hölle‘ noch das ‚Paradies‘ auf Erden", so die Autoren.

Denn auch den stärksten Regionen gelinge es bei Weitem nicht, die Maximalpunktzahl von 300 zu erreichen. Mit seinen 207 Punkten stehe Spitzenreiter München vor großen Herausforderungen: Wohnen sei teuer, es gebe wenig Kita-Plätze, dafür aber viel schlechte Luft.

Umgekehrt gingen die Regionen am unteren Ende des Rankings nicht leer aus. Auf dem letzten Rang erreiche Gelsenkirchen noch stolze 109 Punkte. Aber auch Gelsenkirchen habe – bei allen Herausforderungen – seinen Bürgern also viel zu bieten, zum Beispiel Kulturangebote und bezahlbaren Wohnraum.

Bayern bei Gesundheit weit vorne

München führt zwar in der Gesamtauswertung, kommt aber mit 68 Punkten im Bereich Gesundheit und Sicherheit nur auf Rang 25. Für diesen Themenbereich wurden Indikatoren wie die durchschnittliche Lebenserwartung Neugeborener, Kinder- und Altersarmut, die Arztdichte, die Erreichbarkeit von Krankenhäusern, die Rehaklinikendichte, die Zahl der Pflegebedürftigen je 10.000 Einwohner, aber auch die der Übergewichtigen je 100 Einwohner (BMI>25) sowie die viel diskutierten Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Jahresmittelwerte berücksichtigt.

Letztere sind vor allem für die Metropolen wie München oder auch Düsseldorf und Stuttgart eine große Hypothek. Die Stickstoffdioxidbelastungen in Düsseldorf und Stuttgart führten zu dem weitreichenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes von Ende Februar, demzufolge in Deutschland großflächige Diesel-Fahrverbote nicht mehr undenkbar sind.

Im Sektor Gesundheit und Sicherheit führt der bayerische Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mit 75 Punkten – im Gesamtranking kommt er mit 199 Punkten auf Platz neun – vor Garmisch-Partenkirchen und Ravensburg (je 74 Punkte) sowie Starnberg und Weilheim-Schongau (je 73 Punkte). Auf Rang sechs kommt der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (73 Punkte), gefolgt vom Oberallgäu und Miesbach (je 72 Punkte), dem Hochtaunuskreis, Tübingen und Fürstenfeldbruck (je 71 Punkte).

Wie die Autoren betonen, stelle die Gesundheitsversorgung wie die Erreichbarkeit von Kliniken einen "wesentlichen Aspekt für Lebensqualität" dar. Insbesondere im Zeitalter des Demografiewandels sei die Nähe zu Gesundheitseinrichtungen von Bedeutung. Der Indikator sei in der Studie aber keineswegs als "Aussage zur Qualität der Krankenhäuser" zu verstehen. "Ferner wird auch keine gesundheitsökonomische Aussage getroffen", heißt es ergänzend.

Nord-Süd- löst Ost-West-Kluft ab

Die Unterschiede zwischen Ost und West sind laut Studie geringer als die Unterschiede zwischen Nord und Süd. Die Regionen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen erreichen zusammengenommen im Durchschnitt 177 Punkte, nordwestdeutsche Regionen in NRW, Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein nur 152 – "stolze 25 Punkte Unterschied", wie es heißt.

Der Unterschied zwischen Ost und West betrage hingegen nur drei Punkte: Berlin und die ostdeutschen Bundesländer erreichten zusammengenommen durchschnittlich 164 Punkte, die anderen Regionen Deutschlands 167 Punkte. Am rauesten wehe der Wind in Städten mit Altindustrien: Salzgitter, Bremerhaven, das nördliche Ruhrgebiet. Dort seien ganze Industrien untergegangen, leide die Region.

Gute Lebensverhältnisse fänden sich in Landkreisen im Umland starker Zentren und in wirtschaftlich florierenden Städten mit einem breiten kulturellen Angebot. Städte wiesen häufig einen guten Arbeitsmarkt auf, während gutes Abschneiden von Landkreisen in vielen Fällen etwas mit Freizeit und Natur zu tun habe.

Ländliche Kreise, die Touristen anziehen, hätten häufig ein überdurchschnittliches Kulturangebot und eine gute Gesundheitsversorgung – wovon auch die Bevölkerung profitiere.

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