Ärzte Zeitung, 07.11.2011

Thüringen: Daumen hoch für KBV/ABDA-Konzept

Der Optimismus bei den Ärzten ist groß: Thüringen will sich als Modellregion für das umstrittene Medikationskonzept von ABDA und KBV bewerben.

WEIMAR (rbü). In einer Resolution hat die jüngste Vertreterversammlung der KV in Weimar das Medikationskonzept von ABDA und KBV mit großer Mehrheit begrüßt.

"So wird die Preisverantwortung von den verordnenden Ärzten genommen", heißt es darin. Es werde der Grundstein gelegt für eine Ablösung der Richtgrößenprüfung und ein Ende ständiger Regressdrohungen.

Das Konzept sieht vor, dass Ärzte in der Therapie künftig nur Wirkstoff, Dosierung und Dauer festlegen und der Apotheker das Medikament wählt.

Die KV-Vorsitzende Regina Feldmann warb dafür, diese Chance für Thüringen zu nutzen. Die Teilnahme der Ärzte bleibe freiwillig und ohne Mehraufwand.

Ablehnung in anderen Regionen

So positiv wie in Thüringen wurde das KBV-Vorhaben nicht überall aufgenommen - die KVen in Nordrhein und Hessen lehnten es unter anderem mit der Begründung ab, Apotheker dürften nicht zu "Mitbehandlern" werden.

In Thüringens Vertreterschaft herrschte vor allem Skepsis angesichts der Finanzierbarkeit des Modells. Hier sieht Feldmann jedoch die Krankenkassen in der Verantwortung - die deshalb auch strikt dagegen sind.

Die Bundesregierung kündigte bereits an, die Wirkstoffverordnung mit Produktauswahl durch den Apotheker zunächst maximal drei Jahre als Modellversuch testen zu wollen.

[09.11.2011, 18:24:18]
Dr. Detlef Weidemann 
Der Patient im Mittelpunkt
Die Entscheidung in Thüringen finde ich mutig und richtig. Den Kommentar von Th. Schätzler nicht.
Früher haben sich zahlreiche Ärzte zu Recht gegen Budgetierung und Richtgrößen gewehrt, weil sie für Arzneimittelausgaben in Haftung genommen wurden (ohne dass Ärzte am Arzneimittel verdienen): Nun, da die (wirtschaftliche) Verantwortung allmählich zu denen wandern soll, die den Ertrag aus Arzneimtteln haben, wäre das Teufelszeug?
Welche Ängste stehen da im Hitergrund? Wenn es nur die um eine ordentliche Pharmakotherapie wären: wir alle kennen Patienten, die "Doctor-hopping" begehen, die OTC-/Selbstmediaktion ist vom Gesetzgeber seit Jahren der ärztlichen Verordnung entzogen, das alles aber fokussiert sich oft beim Apotheker. Und die pharmakologische Ausbildung der Apotheker ist auch sehr gut.
Wer bedroht eigentlich die Pharmakotherapie-Treue der Patienten mehr: der Apotheker, der mit den Patienten genauso verantwortungsvoll umgeht wie der Arzt - oder der Krankenkassenfunktionär, der ohne je selbst einen Patienten versorgt zu habe, diesem per Rabattvertrag vorschreibt, was er "zu schlucken" hat? zum Beitrag »
[08.11.2011, 12:42:15]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Versorgungsferne" Funktionärsschichten!
ABDA und KBV haben mit ihrem "Zukunftskonzept Arzneimittelversorgung" ein "Kuckucksei " ins vertragsärztliche Nest gelegt. Neben dem Hausärzteverband hatte das Projekt auch schon die KV-Hessen a b g e l e h n t. Die "versorgungsfernen" Schichten der Spitzenfunktionäre nannten ihr neues "Lieblingsspielzeug" zur allgemeinen Verwirrung mal "Modellprojekt Wirkstoffkatalog", "Medikationskatalog" oder "Weiterentwicklung des Konzeptes der Leitsubstanzen". Der pharmakotherapeutisch völlig ahnungslose Bundesgesundheitsminister bezeichnete das Modellvorhaben gar als "Alternative zu Rabattverträgen".

Konkret bekäme jeder GKV-Patient, wenn sein Arzt z. B. Ramipril/HCT, Metoprolol, Simvastatin, Amlodipin und ASS 100 'blanko' verordnete, von seiner Apotheke je nach Marktlage bis zu z w a n z i g verschiedene Verpackungen, Logos, Tablettenformen und –farben, Herstellernamen oder Reimporte aus EU-Ländern in einem e i n z i g e n Jahr!

Wir Hausärzte/-innen haben genügend professionelles Engagement, Patienten zu untersuchen, sie zu diagnostizieren und zu therapieren. Wir brauchen kein weltfremdes Modellprojekt als zusätzliche Krankheit. Das vom Apotheker belieferte ärztliche "Kassenrezept" dem Patienten als Papierbeleg zurückzugeben, wäre schon ein Riesenschritt nach vorne!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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