Ärzte Zeitung online, 20.03.2014

Arzneimittelpolitik

Pharmaindustrie mahnt raschen Dialog an

Der im Koalitionsvertrag zugesagte ressortübergreifende Dialog muss zügig kommen, fordert die mittelständische Pharmaindustrie.

BERLIN. "Wieder schwerst gebeutelt" sehen sich die im Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) organisierten mittelständischen Arzneimittelhersteller.

Vor allem der siebenprozentige gesetzliche Rabatt in Verbindung mit dem bis bis 2017 verlängerten Preismoratorium macht ihnen zu schaffen. Der BPI koordiniert daher eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht.

Klagen kann freilich nur ein wirtschaftlich existenziell betroffenes Unternehmen. "Solche Firmen gibt es", bestätigte der BPI-Vorsitzende Dr. Bernd Wegener am Donnerstag der "Ärzte Zeitung".

Anlässlich des BPI-Unternehmertages fordert der Verband nun eine rasche Umsetzung des von der Koalition vereinbarten ressortübergreifenden Dialogs.

Dabei müssten neben dem Wirtschafts- und Forschungsministerium auch die Ressorts für Finanzen, Verbraucherschutz und Umwelt einbezogen werden. BMG-Staatssekretär Lutz Stroppe sagte den Unternehmen gestern einen baldigen Start zu.

Preismoratorium muss modifiziert werden

Ganz oben auf der Agenda stehen Modifikationen des Preismoratoriums und des gesetzlichen Rabatts:

- Für denkbar gehalten wird eine kontrollierte Öffnung des Preisstopps für einen Inflationsausgleich.

- Auf den Prüfstand müsse der Rabatt für rezeptfreie Arzneien, die die GKV ausnahmsweise erstattet.

- Für "skandalös" hält der BPI den Rabatt auf Altoriginale, bei denen es keinen generischen Wettbewerb gibt, weil sie nur kleine Nischen abdecken.

Gegenstand des Pharmadialogs soll auch die innovationshemmende Wirkung des Rabatts und Preisstopps sein. Sie verhinderten, dass die Entwicklung neuer Darreichungsformen für zugelassene Wirkstoffe im Preis berücksichtigt wird.

Ebenso behindern die restriktiven Erstattungsmodalitäten neue Erkenntnisse. Um beispielsweise dem Off-label-use in der Pharmakotherapie bei Kindern abzuhelfen, werden seit langem zusätzliche klinische Studien mit Kindern gefordert. Der erhebliche zusätzliche Aufwand dafür wird den Unternehmen allerdings nicht entgolten. (HL)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[20.03.2014, 16:12:25]
Karl-Georg Vaith 
Resortübergreifender Dialog
Mein Vorschlag: Überprüfung der MWSt. auf Arzneimittel !!!

Warum sollten Personen die auf Medikamente angewiesen sind mit vorhandener MWSt. bestraft werden ?

Diese Entscheidung des Finanzministeriums ist schon lange korrekturbedürftig.

Bei den Diäten für Abgeordnete gibt es doch auch keine Probleme ?

Karl-G. Vaith zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt Ältere nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Mit diesem Ergebnis überrascht die ASPREE-Studie. mehr »

Allergien machen Kindern zu schaffen

Allergien, psychische Störungen und Unfälle bleiben die häufigsten Risiken für chronische Krankheiten von Kindern. Vor allem Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis beeinträchtigen den Nachwuchs. mehr »

Tuberkulose - tödlichste Infektionskrankheit

1,6 Millionen Menschen starben im vergangenen Jahr an Tuberkulose, berichtet die WHO. Damit bleibt TB die tödlichste Infektionskrankheit der Welt. mehr »