Ärzte Zeitung, 26.09.2014

Pädiatrie

Sichere Arzneien für Kinder Mangelware

Viele Arzneimittel sind nicht für Kinder zugelassen. Nötig ist daher intensivere Forschung. Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller will das jetzt anpacken.

BERLIN. Es gibt zwar zahlreiche Kinderkrankheiten, jedoch nicht immer das richtige Medikament dafür. Denn nach wie vor fehlen Arzneimittel, die speziell für Kinder zugelassen und sicher sind.

Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) will das jetzt ändern und hat dazu den Verein "Initiative Arzneimittel für Kinder" gegründet.

"Unser zentrales Ziel ist es, eine intensivere Forschung für Kinderarzneien auf den Weg zu bringen. Wir brauchen langfristig zuverlässige Medikamente, die in ihrer Wirksamkeit speziell für Kinder und Jugendliche geprüft sind," sagte Dr. Andreas Franken, Geschäftsführer des Vereins auf der 60. Mitgliederversammlung in Berlin.

In seinen politischen Forderungen plädiert der BAH dafür, speziell für den pädiatrischen Einsatz entwickelte Medikamente (PUMA) von der Nachweispflicht eines Zusatznutzens freizustellen und die Kinderarzneimittel zudem über separate Festbetragsgruppen zu vergüten.

Wenn Kinder krank werden, haben Ärzte bislang selten die Qual der Wahl. Nicht selten greifen sie dann auf Arzneien für Erwachsene zurück. Dieser sogenannte Off-Label-Use bei Kindern sei in Deutschland, so Franken, und auch anderen europäischen Ländern stark verbreitet.

Das habe jedoch seine Tücken. Schließlich fehlten sichere Erkenntnisse, wie diese Arzneien bei Kindern wirken, in welcher Dosis sie zu verabreichen sind und ob sie überhaupt vertragen werden. "Die Dosis, einfach aus dem Bauch heraus herabzusetzen, reicht nicht aus", sagt Franken.

Grund für diese Versorgungslücke ist eine Forschungslücke. Die EU hat 2007 alle Arzneimittel-Hersteller verpflichtet, neue Wirkstoffe auch bei Kindern zu testen. Dies berücksichtigte auch, dass Forschung und Entwicklung dieser speziellen Arzneien teuer sind.

In Deutschland aber blieb man dabei, die pädiatrische Forschung der Freiwilligkeit zu überlassen. Der Aufwand der Hersteller, so Franken, wird damit nicht honoriert. (wer)

Topics
Schlagworte
Arzneimittelpolitik (7167)
Pädiatrie (8670)
Organisationen
BAH (189)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »