Ärzte Zeitung online, 09.06.2015

Markteinführung 2014

49 Arzneimittel basieren auf neuen Wirkstoffen

Im Jahr 2014 sind so viele Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen auf den Markt gekommen wie schon lange nicht mehr. Das zeigt der Arzneimittel-Atlas. Die Ausgaben für Medikamente haben erstmals das Niveau von 2010 überschritten.

Von Helmut Laschet

49 Arzneimittel basieren auf neuen Wirkstoffen

Eine Menge neuer Arzneimittel sind auf den Markt gekommen (Beispielbild)

© FotografiaBasica / iStock

BERLIN. Die Arzneimittelausgaben sind 2014 um 9,5 Prozent auf 33,3 Milliarden Euro gestiegen (siehe Grafik unten). Eine wichtige Ursache des starken Anstiegs war die Rückführung des gesetzlichen Rabatts von 16 auf sechs und ab April 2014 auf sieben Prozent, was mit einem einmaligen Wachstumsschub von 1,16 Milliarden Euro einherging.

Entlastet wurden die Krankenkassen aber durch Patentauslauf und neuen Generika-Wettbewerb in einem Volumen von 539 Millionen Euro, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Arzneimittel-Atlas 2015 hervorgeht.

Darüber hinaus gibt es zwei Besonderheiten, wie Professor Bertram Häussler, Chef des Berliner IGES-Instituts und Ko-Autor des Atlas, hervorhob: einen relativ starken Anstieg des Verbrauchs, der sich in zusätzlichen Ausgaben von 1,289 Milliarden Euro niederschlägt.

Eine Ursache dafür könne der im Vergleich zu den Vorjahren starke Anstieg der Zahl von GKV-Versicherten (plus 429.000) sein.

Hepatitis C und MS: Neue Medikamente verdrängen ältere

Fast genauso stark schlug der Einsatz neuer Medikamente mit einem Volumen von 1,280 Milliarden Euro zu Buche. An vorderster Stelle stehen dabei neue antivirale Mittel, insbesondere Arzneien gegen Hepatitis C, Krebstherapeutika und antithrombotische Mittel.

Charakteristisch dabei sei, dass neue hochwirksame Arzneimittel gegen Hepatitis C ältere Arzneimittel verdrängen. Gleiches gelte in der MS-Therapie, wo Injektionspräparate durch orale Darreichungsformen ersetzt werden.

Unter dem Gesichtspunkt der Qualität sei 2014 "ein bemerkenswertes Jahr gewesen", resümierte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa), Birgit Fischer, die Daten des Atlas.

49 Arzneimittel des Jahres 2014 basierten auf neuen Wirkstoffen; die Industrie habe die Produktivitätsdelle der 2000er Jahre überwunden.

Zwei neue Antibiotika

Elf Medikamente gegen Infektionskrankheiten seien neu eingeführt worden, acht Innovationen gegen Krebs. Zwei neue Antibiotika seien insbesondere gegen MRSA wirksam. Erstmals seit 1995 wurde ein neues Tuberkulose-Medikament eingeführt.

Aus den Daten leitet Fischer aber auch Kritikpunkte ab: Arzneimittel mit anerkanntem Zusatznutzen erreichten nicht in ausreichendem Maße die Patienten, die davon profitieren könnten. Hier gebe es Unterversorgung.

Ursächlich dafür sei in manchen Fällen, etwa beim Einsatz neuer Therapeutika gegen Hepatitis C, die hoch erscheinenden aktuellen Jahrestherapiekosten. Sie sparten aber langfristig Geld, etwa für spätere Lebertransplantationen.

Eine weitere Ursache sei der Regressdruck auf Ärzte und die Ansicht des GKV-Spitzenverbands, dass der Erstattungsbetrag für ein Arzneimittel mit Zusatznutzen nicht in jedem Fall als wirtschaftlich angesehen wird.

Besorgnis erregend sei die Forderung der Kassen nach einer selektiven Erstattung nur für Subgruppen mit nachgewiesenem Zusatznutzen.

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