Ärzte Zeitung, 06.05.2016

Kommentar zu Melphalan-Lieferengpässen

Riskante Monopole

Von Helmut Laschet

Zum dritten Mal innerhalb von nur zwei Jahren sind bei dem Krebsarzneimittel Melphalan Lieferengpässe aufgetreten. Das Arzneimittel ist unverzichtbar bei der Behandlung von Multiplem Myelom und im Rahmen von Knochenmarktransplantationen. Alternativen gibt es nicht.

Aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen an Arzneimittel und der Störanfälligkeit von Produktionsprozessen - beides extrem bei Impfstoffen - sind Lieferausfälle programmiert. Versorgungsengpässe lassen sich nur vermeiden, wenn es mehrere Hersteller gibt, deren Angebots- und Produktionspotenziale sich gegenseitig kompensieren können. Dies muss für alle Fertigungsstufen gelten.

Zu Recht wird kritisiert, dass die Ergebnisse des Pharma-Dialogs im Bezug auf die Lieferengpässe nichts anderes als weiße Salbe sind. Ein intensiveres Monitoring ändert nichts an den Ursachen, auch Sanktionen gegen Hersteller, die eine Charge aufgrund von Qualitätsproblemen nicht freigeben dürfen, bleiben wirkungslos.

Notwendig ist eine internationale Analyse von Angebots- und Produktionskapazitäten, um riskante Monopole und Engpässe zu identifizieren. Im zweiten Schritt müssen Markt- und Erstattungsbedingungen so gestaltet werden, dass Platz für mehrere Anbieter ist.

Lesen Sie dazu auch:
Lieferengpass: Melphalan derzeit nur in Kontigenten

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »