Ärzte Zeitung online, 16.02.2017

Pränataler Bluttest

Widerstand gegen GBA-Bewertung

Der GBA setzt seine Methodenbewertung des nichtinvasiven Bluttests fort. Verbände forcieren ihre Kritik.

Von Florian Staeck

BERLIN. Der Widerstand gegen die Aufnahme des nicht-invasiven pränatalen "Praena-Tests®" in die GKV-Regelversorgung hält an. Am Donnerstag hat der Gemeinsame Bundesausschuss das IQWiG damit beauftragt, eine Versicherteninformation zu diesem Thema zu entwerfen.

Angesichts der Tatsache, dass vorgeburtlichen Untersuchungen ausschließlich mit Zustimmung der Schwangeren vorgenommen werden dürfen, ergebe sich ein "umfassender ärztlicher Aufklärungs- und Beratungsbedarf", erklärt der GBA.

In der Information für Versicherte solle deutlich werden, "dass neben dem Recht auf Wissen und der Partizipation am wissenschaftlichen Fortschritt auch ein Recht auf Entscheidungsfreiheit und Nichtwissen besteht".

Zuvor hat der GBA im vergangenen August das Methodenbewertungsverfahren gestartet. Dabei soll geprüft werden, ob und wie die Kosten für den Bluttest von den gesetzlichen Kassen übernommen werden. Zudem vergleicht der GBA den Test mit etablierten Untersuchungen wie der invasiven Chorionzottenbiopsie und der Amniozentese.

Bereits diesen Schritt halten 20 Gruppen und Organisationen für falsch und fordern, das Methodenbewertungsverfahren abzubrechen. Stattdessen sollten die Tests, die bereits Teil der Regelversorgung sind, auf ihren medizinischen Nutzen überprüft werden, heißt es in einer Erklärung, die von der Diakonie Baden-Württemberg, dem Gen-ethische Netzwerk, dem Bundesverband der Frauengesundheitszentren sowie mehreren Behindertenverbänden unterzeichnet wurde.

Sie kritisieren, der nicht-invasive Bluttest bewirke keine verbesserte Versorgung der Schwangeren, sondern stelle "lediglich die – eigentlich bereits betroffene – Entscheidung für das werdende Leben in Frage". Der Tests suggeriere Schwangeren, es sei gesellschaftlich anerkannt, die Geburt von Menschen mit Behinderungen zu verhindern. Dies widerspreche der UN-Behindertenrechtskonvention, die 2009 von Deutschland ratifiziert worden ist.

Unterdessen setzt sich der Test auch als Selbstzahlerleistung durch. Mittlerweile böten 2500 Gynäkologen in deutschsprachigen Ländern den Praena-Test® an, erklärte der Hersteller LifeCodexx im November 2016. Seit der Markteinführung im August 2012 habe es 50.000 Analysen gegeben. Zur Entwicklung beigetragen haben dürften beständige Preissenkungen. 2014 verlangte der Hersteller noch rund 600 Euro für den Test, aktuell sind es noch 300 Euro.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Zufallsbefunde – Wer sucht, der findet

Bei der bildgebenden Diagnostik kann es vorkommen, dass unerwartet ein Befund jenseits des eigentlichen Anlasses auftaucht. Das sollte man den Patienten klarmachen – vorher. mehr »

Streit um "Strafgebühr" im Krankenhaus

KBV-Chef Gassen fordert für Patienten, die mit Bagatellerkrankungen in die Notfallambulanz der Kliniken kommen, eine Gebühr. Das hält die DKG für "schlicht falsch". Die Linke mutmaßt: "Notaufnahmen nur für Reiche"? mehr »

Das hilft bei "Fettleber"

Patienten mit nichtalkoholischer Fettleber können sich selbst helfen - indem sie gesünder leben. Forscher haben Biomarker ausfindig gemacht, die offenbar die Veränderung der Leberfibrose vorhersagen können. mehr »