Ärzte Zeitung online, 28.04.2017
 

Wirkstoff Remifentanil

Lieferengpässe: BfArM rät zu Alternativen

Die Lieferschwierigkeiten bei Narkosemitteln halten an. BfArm und Gröhe betonen aber: Die Versorgung ist nicht in Gefahr.

Lieferengpässe: BfArM rät zu Alternativen

Mangelverwaltung: "Remifentanil-haltige Arzneimittel sind derzeit verfügbar, jedoch vorübergehend nur in eingeschränkter Menge", heißt es akutell aus dem BfArM.

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BERLIN. Um die Versorgung mit wichtigen Narkosepräparaten trotz Lieferengpässen sicherzustellen, sollte der Wirkstoff Remifentanil "vorübergehend nur nach strenger Indikationsstellung eingesetzt werden". Bei Patienten, die weniger von Remifentanil profitieren, sollten alternative Arzneimittel angewendet werden. Das teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" mit.

Am Donnerstag hatte das BfArM Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und Glaxo-SmithKline (GSK) zum Gespräch über die seit Monaten andauernden Lieferengpässe geladen (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Es hieß, die DGAI werde zeitnah Empfehlungen herausgeben, wie Remifentanil in der aktuellen Situation eingesetzt werden soll.

Notwendige Operationen finden statt

Eine Besserung der Lage ist laut BfArM nicht in Sicht. "Remifentanil-haltige Arzneimittel sind derzeit verfügbar, jedoch vorübergehend nur in eingeschränkter Menge", kommentiert dessen Sprecher Maik Pommer die aktuelle Situation. Nach Einschätzung der DGAI existieren im ausreichenden Maße therapeutische Alternativen, sodass keine notwendigen Operationen verschoben werden müssten.

Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sieht die Versorgung durch die aktuellen Lieferengpässe nicht gefährdet. "Es zeichnet sich kein Versorgungsengpass ab", betonte er. In den allermeisten Fällen stünden Alternativen für Remifentanil, das bei ambulanten Operationen vor allem für Kinder eingesetzt wird, zur Verfügung.

Forderungen gegen Lieferengpässe

Gröhe reagierte damit auf eine Forderung von Professor Frank Ulrich Montgomery. Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) hatte sich angesichts der Problematik, wie berichtet, für eine nationale Medikamenten-Reserve für wichtige Arzneien ausgesprochen. Laut Medienberichten könnte den Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich (CDU) und Sabine Dittmar (SPD) zufolge ein weiterer Weg sein, Hersteller und Großhandel zu verpflichten, die Lieferfähigkeit für sechs Wochen zu garantieren. Darüber hinaus sei die Einführung einer verbindlichen Meldepflicht für Lieferengpässe zu diskutieren, seien sich Dittmar und BÄK-Chef Montgomery einig.

Laut BfArM gehört auch die angemessene Belieferung aller Akteure zum gemeinsamen Ziel, die Versorgung "so schnell wie möglich wieder sicherzustellen". Das Originalpräparat Ultiva® stammt von GSK, darüber hinaus sind fünf Generika-Hersteller auf dem Markt. Das BfArM stehe aktiv im Dialog mit beteiligten Akteuren und Zulassungsinhabern. (jk)

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