Ärzte Zeitung, 05.09.2016

Empagliflozin

GBA sieht teils beträchtlichen Zusatznutzen

Im zweiten Durchlauf hat der Gemeinsame Bundesausschuss dem Antidiabetikum Empagliflozin für vier von insgesamt zehn verschiedenen Patientenpopulationen einen beträchtlichen Zusatznutzen zugesprochen.

Von Helmut Laschet

BERLIN. Bei manifester kardiovaskulärer Erkrankung stellt das Antidiabetikum Empagliflozin (Jardiance®) einen beträchtlichen therapeutischen Fortschritt dar. Mit dieser Entscheidung hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) seinen ersten Beschluss vom August 2014 am vergangenen Donnerstag revidiert. Die neue Nutzenbewertung stützt sich im Wesentlichen auf die Ergebnisse der Studie EMPA-REG OUTCOME (NEJM 2015; 373:2117-2128), mit der insbesondere die Effekte von Empagliflozin bei Diabetikern mit kardiovaskulären Krankheiten geprüft worden waren. Der kritischen Wertung der Studie durch das IQWiG, das darin keinen Beleg für einen Zusatznutzen sehen wollte, ist der GBA mit seiner Entscheidung nicht gefolgt.

Für die Verordnungspraxis ist die Differenzierung in zehn Subpopulationen von Bedeutung, weil Kassen einen Regressantrag damit begründen können, dass eine Verordnung zugunsten von Subpopulationen ohne Zusatznutzen (ZN) unwirtschaftlich sein könnte. Die GBA-Beschlüsse:

Empagliflozin in Monotherapie, wenn Diät und Bewegung allein den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren und Metformin ungeeignet ist:

Patienten ohne kardiovaskuläre Erkrankung: Kein Zusatznutzen im Vergleich zu Sulfonylharnstoff.

Patienten mit kardiovaskulärer Erkrankung: Kein Zusatznutzen im Vergleich zu Sulfonylharnstoff.

Empagliflozin plus Metformin, wenn dieses den Blutzucker nicht ausreichend kontrolliert:

Ohne kardiovaskulärer Erkrankung in Vergleich zu Metformin plus Sulfonylharnstoff: ZN gering.

Mit kardiovaskulärer Erkrankung im Vergleich zu Metformin plus Sulfonylharnstoff: ZN beträchtlich.

Empagliflozin plus eine andere blutzuckersenkende Arznei außer Metformin und Insulin:

Ohne kardiovaskuläre Erkrankung im Vergleich zu Metformin plus Sulfonylharnstoff: kein ZN.

Mit kardiovaskulärer Erkrankung im Vergleich zu Metformin plus Sulfonylharnstoff: ZN beträchtlich.

Empagliflozin plus mindestens zwei andere blutzuckersenkende Arzneien:

Ohne kardiovaskuläre Erkrankung im Vergleich zu Metformin plus Humaninsulin: kein ZN

Mit kardiovaskulärer Erkrankung im Vergleich zu Metformin plus Insulin: ZN beträchtlich.

Empagliflozin kombiniert mit Insulin:

Ohne kardiovaskuläre Erkrankung im Vergleich zu Metformin plus Insulin: kein ZN.

Mit kardiovaskulärer Erkrankung im Vergleich zu Metformin plus Insulin: ZN beträchtlich.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »

Urologen befeuern Diskussion um Herztoddiagnostik

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie fordert große Reformen bei der Organspende. DGU-Präsident Professor Paolo Fornara erläutert im Interview, welche Neuregelungen seiner Meinung nach dringend nötig sind. mehr »