Ärzte Zeitung, 15.07.2013

Kommentar zu Hecken

Der Vereinfacher

Von Christian Beneker

Wusste er das wirklich nicht? Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) hat auf SPIEGEL online die Landes-KVen gemahnt: Wenn sie die neuen Bedarfsplanungsrichtlinie umsetzen, sollen sie mehr Rücksicht nehmen auf die regionalen Gegebenheiten und sich überhaupt mehr ins Zeug legen.

"Ohne zügige Anpassungen bleibt eine immer größer werdende Anzahl oft auch mehrfach erkrankter Patienten ohne angemessene Versorgung zurück", ließ Hecken sich zitieren.

Verstimmt antwortete ihm Niedersachsens KV-Vize, Hausarzt Dr. Jörg Berling, per offenem Brief. Sein Beitrag läuft darauf hinaus, dass die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen alles Menschenmögliche unternehme, um die Richtlinie umzusetzen, aber sich eben keine Ärzte schnitzen kann.

Das stimmt natürlich. Selbst wenn sich die Bedarfsplanung ganz kleinräumig an den Landkreisen orientieren würde, wie viele Niedersächsische Bürgermeister es sich wünschen, wäre zunächst nichts erreicht.

Denn der Nachwuchs ziert sich, wenn es darum geht, Hausarzt zu werden, umso mehr, wenn die Praxis womöglich in Ostfriesland oder im Harz liegen sollte.

Junge Ärztinnen und Ärzte wollen derzeit nicht aufs Land, das ist Fakt. Da hilft die beste Bedarfsplanung nichts. Das müsste auch GBA-Chef Hecken wissen. Das Problem ist dann doch etwas komplexer.

Dazu gehört selbstverständlich auch die Flexibilität, etwa medizinisch geschultes Personal stärker in die ambulante Betreuung einzubeziehen. Damit droht nicht der Untergang eines ganzen Berufsstandes.

Lesen Sie dazu auch:
Bedarfsplanung: KV Niedersachsen kontert Heckens Schelte

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