Ärzte Zeitung online, 08.01.2018

Reaktion auf Kritik

Ambulante Bedarfsplanung ist besser als ihr Ruf

Die ambulante Bedarfsplanung ist stärker an Wirtschaftlichkeit und am Versorgungsbedarf orientiert als etwa die Krankenhausplanung. Sie lässt sich auch weiter verbessern. Aber nur dann, warnt ein Experte der KV Westfalen-Lippe, wenn Fehler vermieden werden.

Von Ilse Schlingensiepen

Fortentwickeln ist besser als abwracken!

Die Bedarfsplanung stellt das Fundament für ein transparentes Versorgungsangebot dar.

© JiSIGN / adobe.stock.com

KÖLN. Die ambulante Bedarfsplanung ist besser als ihr Ruf und der Krankenhausplanung überlegen. Das findet Ansgar von der Osten, Leiter des Geschäftsbereichs Zulassung und Sicherstellung bei der KV Westfalen-Lippe (KVWL). "Die ambulante Bedarfsplanung ist im Vergleich zur Krankenhausplanung deutlich objektiver und faktenbasierter", sagt von der Osten der "Ärzte Zeitung". "Außerdem lässt sie genügend Spielräume, um bei Bedarf Versorgungslücken zu schließen."

Viele sind mit der ambulanten Bedarfsplanung unzufrieden, weiß er. Die Kritik verkenne aber, dass die Bedarfsplanung der gemeinsamen Selbstverwaltung mit Blick auf ihr ursprüngliches Ziel ein Erfolgsmodell ist: die Verhinderung des Arztzahlzuwachses. Doch das sei nicht alles. "Sie ist ein gutes Fundament für ein vergleichbares, transparentes Versorgungsangebot." Entscheidungen, die auf den statistischen und raumplanerischen Grundlagen gefällt werden, seien unmittelbar nachvollziehbar, erläutert von der Osten.

Wirtschaftlichkeit auch Kriterium

Die Orientierung an Fakten wie der Einwohnerzahl und dem Versorgungsgrad könne natürlich nicht verhindern, dass es Diskrepanzen zwischen der Bedarfsplanung und der konkreten Versorgungsrealität gebe, betont er. Schließlich spielten auch nicht beeinflussbare Faktoren wie die Beliebtheit und die Verfügbarkeit der Ärzte eine Rolle.

Die ambulante Bedarfsplanung sei nicht nur transparent, sondern auch an der Wirtschaftlichkeit orientiert. Die Entscheidungen würden von Instanzen getroffen, die auch die finanzielle Verantwortung für das Ergebnis tragen. "Die Krankenkassen haben dabei die Versichertenbeiträge im Blick, die KV die Wirtschaftlichkeit der Arztpraxen im Rahmen der Honorarverteilung", so von der Osten.

Das unterscheide sie von der Krankenhausplanung, die durch direkte politische und wirtschaftliche Interessen beeinflusst werde. "Wenn an der Planung Leute beteiligt werden, die keine Verantwortung übernehmen müssen oder die eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen, halte ich das für problematisch."

Keine Fragmentierung der Daten!

Der KVWL-Experte plädiert dafür, das System der ambulanten Bedarfsplanung weiterzuentwickeln, statt es durch ein neues zu ersetzen. Gerade die heutigen Möglichkeiten der Datensammlung und Datenanalyse seien eine gute Ergänzung.

In der Verknüpfung von Leistungsinformationen mit geografischen Daten, mit Entfernungsangaben und Radien sowie der kartografischen Abbildung der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen sieht er einen "Quantensprung". Gute Entscheidungen ließen sich aber nur unter einer Voraussetzung treffen: "Die Daten müssen vernünftig und einheitlich erhoben werden." Von der Osten warnt vor einer weiteren Zersplitterung der Datenlandschaft. Früher hätten die KVen die Datenhoheit und damit auch die Übersicht über die Versorgungslandschaft gehabt. Das sei mit dem Vertragswettbewerb beendet worden.

Im Aufbau einer sektorübergreifenden Planung sieht von der Osten "eine Mammutaufgabe". Ihr könne man sich angesichts der großen Unterschiede zwischen den Sektoren nur schrittweise nähern. Klar ist für ihn, dass unter dem Schlagwort der Abschaffung der doppelten Facharztschiene kein Porzellan zerschlagen werden darf.

Das gelte vor allem für die spezialisierte fachärztliche Versorgung. "Gerade an der Schnittstelle zum stationären Sektor muss für faire Bedingungen für die Übernahme von Versorgungsverträgen und den damit verbundenen Budgets gesorgt werden, um die Begrenzung der bisherigen Bedarfsplanung nicht zum Nachteil für die niedergelassenen Akteure zu machen", sagt von der Osten. Wenn Faktoren wie der Facharztstandard und die Qualität der Versorgung zur Disposition gestellt werden, seien nicht nur die Fachärzte die Verlierer, sondern auch die Patienten. "Alles in einer Hand heißt nicht automatisch besser."

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