Ärzte Zeitung online, 20.06.2018

Gegen den Trend

Saarland stockt Klinikbetten auf

Die Landesregierung ermöglicht im novellierten Krankenhausgesetz, die Bettenzahl um acht Prozent zu erhöhen.

SAARBRÜCKEN. Erstmals seit Jahrzehnten soll es in den saarländischen Kliniken wieder mehr Betten geben: Der neue Krankenhausplan sieht bis 2025 eine Aufstockung um 8,4 Prozent auf 6902 Betten vor. Harte Einschnitte soll es hingegen nicht geben.

Das Kabinett stimmte am Dienstag der Vorlage des Gesundheitsministeriums zu. Nachdem der Landtag erst eine Woche zuvor das Krankenhausgesetz novelliert hat, sind damit die beiden größten Baustellen im stationären Bereich im Wesentlichen abgeschlossen.

Nun werden sich die politischen Bemühungen vor allem auf personelle Verbesserungen im Pflegebereich konzentrieren, die allerdings weitgehend von Beschlüssen auf Bundesebene abhängen. Allerdings setzt die Landesregierung auch hier Akzente: Die Zahl der Ausbildungsplätze soll im neuen Planungszeitraum um über 20 Prozent erhöht werden.

Die neue Planbettenzahl liegt nahe an dem Maximalwert, den das vorbereitende Gutachten der Beratungsgesellschaft Aktiva im vergangenen Herbst berechnet hat. Aktiva ermittelte für die künftig nötigen Kapazitäten einen Korridor von 6310 bis 7074 Betten, der Mittelwert lag bei 6692 Betten. Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) wies jedoch auf steigende Fallzahlen vor allem in der Geriatrie und die überdurchschnittliche Auslastung bei vergleichsweise geringer Verweildauer hin.

Neu aufgebaut werden unter anderem eine Neurologie in St. Wendel, die Geriatrie in Lebach sowie eine Wachkomaeinheit an den Unikliniken. Von Schließungen sind – abgesehen von dem längst vereinbarten Aus für den gesamten Standort Dillingen im kommenden Jahr und einigen Konzentrationsprozessen – fast ausschließlich kleine Belegabteilungen betroffen.

Ein besonderes Problem stellte sich zuletzt durch die unerwartete Schließung des Krankenhauses in Wadern im vergangenen Jahr. Deshalb werden an mehreren Kliniken im Umkreis Kapazitäten gestärkt, die für eine wohnortnahe Versorgung im Alter wichtig sind – zumal sich angesichts geschätzter Investitionskosten von über 90 Millionen Euro bisher kein Träger für die Errichtung einer modernen Nordsaarlandklinik erwärmen konnte.

Die Einwände der Kassen gegen die deutliche Aufstockung der Planbetten im Saarland blieben vergeblich. Auch der Koalitionspartner SPD hatte zunächst Bedenken geäußert. Nun wurde vereinbart, in etwa drei Jahren die Passgenauigkeit der Strukturen zu evaluieren und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. (kud)

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