Ärzte Zeitung, 25.08.2008

Patienten-Unterschriften verärgern NRW-Minister

Streit um Ärzte-Aktion zu Heilmitteln in Westfalen-Lippe

KÖLN (iss). Die Unterschriftensammlung der westfälischen Ärzte gegen restriktive Bedingungen bei Heilmittelverordnungen ist beim nordrhein-westfälischen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) auf scharfe Kritik gestoßen. Er droht der KV Westfalen-Lippe (KVWL) mit aufsichtsrechtlichen Schritten.

Unterschriften-Pakete, nein Danke! Gesundheitsminister Laumann verweigert die Annahme.

Foto: MAGS

Die niedergelassenen Ärzte in Westfalen-Lippe sind bei der Verordnung von Heilmitteln seit langem bundesweites Schlusslicht. Die langjährige Praxis der Wirtschaftlichkeitsprüfung nach Fachgruppendurchschnitt hat eine Spirale nach unten in Gang gesetzt. Der KVWL-Vorstand macht sich dafür stark, künftig die Heilmittel-Richtlinien zum Maßstab der Wirtschaftlichkeitsprüfungen zu machen.

Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, hatten Hartmannbund und KVWL die Unterschriftenaktion initiiert. Bislang haben sich mehr als 130 000 Patienten beteiligt.

Auf die Zustellung der Pakete mit Unterschriftenlisten hat Minister Laumann ungehalten reagiert. "Wirtschaftlichkeitsprüfungen bei der Verordnung von Heilmitteln wären in Westfalen-Lippe ein kleineres Problem, wenn die Kassenärztliche Vereinigung endlich für angemessene Rahmenbedingungen und Verordnungssicherheit sorgen würde", sagte er. Laumann will die Aktion aufsichtsrechtlich prüfen lassen. "Unterschriften der Politik vor die Füße zu werfen ist einfach, wenn man alle Verantwortung von sich schieben will."

Der KVWL-Chef Dr. Ulrich Thamer ist von der harschen Reaktion enttäuscht. "Wir haben dem Minister bereits mehrfach klar gemacht, dass wir nicht gegen Kostenkontrolle bei Heilmitteln sind, sondern ein rationaleres Verfahren bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung anstreben", sagt er. Andere Politiker hätten das Anliegen im Gegensatz zu Laumann bereits aufgegriffen. Der Vorwurf, die KVWL verunsichere Patienten, sei falsch.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Neue Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. Das weckt Hoffnungen. mehr »

Was die Datenschutz-Folgenabschätzung ist

Praxen, Kliniken und MVZ, die in großem Stil Patientendaten verarbeiten, müssen laut DSGVO eine Datenschutz-Folgenabschätzung absolvieren. Medizinrechtler erläutern, wie das geht und was das überhaupt ist. mehr »

Tele-Hausarzt horcht aus der Ferne ab

Dr. Rafael Walocha betreut als Tele-Hausarzt Bewohner eines Pflegeheims per Video. Dabei kann er die Patienten sogar elektronisch auskultieren. Arzt und Patienten sind begeistert. mehr »