Ärzte Zeitung, 27.07.2009

Inkontinenzpatienten brauchen Alltagshilfen

Inkontinenzpatienten sprechen mit ihrem Arzt nur selten direkt über ihre Beschwerden.

Inkontinenzpatienten brauchen Alltagshilfen

Inkontinenz: "Patienten ordnen ihr Leben der Blase unter."

Foto: DAK

WITTEN(acg). Ärzte sollten genau hinhören, mit welchen Problemen die Betroffenen in die Praxis kommen. "Viele deuten ihre Probleme an oder umschreiben sie, weil es ihnen unangenehm ist, offen darüber zu reden", sagt Daniela Hayder vom Institut für Pflegewissenschaften an der Universität Witten/Herdecke. Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden an Blasenschwäche. In einer Studie hat sich Hayder mit Wünschen und Erfahrungen der Inkontinenzpatienten beschäftigt.

"Es zeigte sich, dass die Blasenschwäche kein rein medizinisches Problem ist", sagt Hayder. Die Beschwerden sind für die Betroffenen auch eine psychologische Belastung. "Wer dauernd Angst haben muss, unkontrolliert Urin zu verlieren, der hat auch Angst, dass er schlicht ausgegrenzt wird", sagt Hayder. Das empfinden die Betroffenen als demütigend, psychische Probleme können die Folge sein.

In 47 Tiefeninterviews haben die Patienten ihre Alltagsprobleme mit der Krankheit geschildert. Sie empfinden, dass sie die Kontrolle über ihren Körper verlieren. Deswegen gehen sie nicht mehr in die Stadt, ins Kino oder zu Konzerten, weil sie nicht wissen, ob sie schnell genug eine Toilette finden. "Sie ordnen ihr Leben der Blase unter und ziehen sich zurück", sagt Hayder. Eine rein medizinisch orientierte Behandlung reicht ihrer Ansicht nach nicht aus.

Außer einem ausführlichen Gespräch über Therapiemethoden sollten Ärzte auch Wege zeigen, wie die Betroffenen im Alltag mit der Inkontinenz leben können. "Eine umfassende Betreuung können die Ärzte natürlich nicht leisten", sagt Hayder. Die Patienten wünschten sich auch andere Ansprechpartner, die ihnen bei der Bewältigung des Alltags helfen. Das könnten Ernährungsexperten, Psychologen oder Pflegekräfte sein, die den Kranken etwa mit Hilfsmittelberatung oder Angehörigenbetreuung unterstützen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Versorgung psychisch kranker Kinder ist ein Flickenteppich

Der Trend bei den psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen ist stabil. Eine einheitliche Versorgungslandschaft besteht in Deutschland aber nach wie vor nicht. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie können sie für eine Impfung gewonnen werden? mehr »

Mama leckt den Schnuller ab – kein Tabu

Botschaft einer neuen US-Studie: Das Ablutschen kann Vorteile fürs Immunsystem der Kinder haben. mehr »