Ärzte Zeitung, 12.10.2009

Gesundheitsförderung in Schulen verringert Schmerzhäufigkeit bei Kindern

Von Dirk Schnack

Gesundheitserziehung in Schulen zeigt bei einem Forschungsprojekt in Schleswig-Holstein Erfolge: Kinder müssen seltener zum Arzt gehen.

LÜBECK. Gesundheitsförderung bei Grundschülern verringert Schmerzen und stärkt das Gesundheitsbewusstsein. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsprojekt "fit und stark plus" in Schleswig-Holstein.

"Die ,fit und stark plus‘-Kinder hatten im Vergleich zu Kindern mit ausschließlichem Regelunterricht seltener Schmerzen und gingen seltener wegen Schmerzen zum Arzt", sagte Studienleiterin Dr. Angela Roth-Isigkeit von der Uni Lübeck.

Nur sieben Prozent der 135 Kinder aus den Modellklassen in Lübeck und im Kreis Herzogtum-Lauenburg waren in der dreijährigen Projektphase wegen Schmerzen zum Arzt gegangen, in der Kontrollgruppe (n=280) betrug dieser Anteil 15 Prozent. Eindeutig auch die Entwicklung bei der Medikamenteneinnahme: In den Projektklassen nahm der Anteil der Kinder, die Arzneimittel gegen Schmerzen einnahmen, von 13,7 auf 12,2 Prozent ab. In der Kontrollgruppe stieg dieser Anteil von 13,4 auf 18,8 Prozent. 54 Prozent der Projektkinder gab an, sich immer gesund zu fühlen, in der Projektgruppe waren dies 40 Prozent.

In den Projektklassen versuchen speziell geschulte Lehrer, im Rahmen des regulären Unterrichts den Kindern Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit zu vermitteln. Sie lernen auf spielerische Weise, sich zu bewegen, zu entspannen, gesünder zu essen und Probleme durch eigenes Handeln zu lösen. Dazu werden "Wohlfühlkonferenzen", gesundes Essen, Rollen- und Bewegungsspiele in den Unterricht integriert. Die Familien der Kinder werden über Elternzeitschriften und Informationsabende eingebunden.

Das vom Institut für angewandte Prävention und Gesundheitsforschung entwickelte Programm war drei Jahre lang von der Forschungsgruppe Schmerzen der Uni Lübeck überprüft worden. Die AOK Schleswig-Holstein und die Possehl-Stiftung haben die Studie finanziert. Professor Peter Dominiak von der Uni Lübeck regte an, das Projekt auch auf ältere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auszudehnen. Die Projektinitiatoren sehen die dafür erforderlichen Mittel gut angelegt - die Investition rechne sich bereits, wenn damit eine chronische Erkrankung verhindert werden kann, so die Initiatoren.

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