Ärzte Zeitung, 30.11.2009

Kommentar

Wen Seehofers Querschüsse treffen

Von Florian Staeck

Horst Seehofer hat Spaß am politischen Ringkampf - besonders, wenn es um die Gesundheitspolitik geht. Nicht anders ist sein Kommentar zu verstehen, Gesundheitsminister Philipp Rösler bereite der Kopfpauschale ein "Staatsbegräbnis". Rösler hat klargemacht, bei der kostenlosen Mitversicherung von nicht-berufstätigen Ehepartnern und Kindern solle es bleiben. Das verbucht Seehofer als Eingeständnis der FDP, ihre Pläne für eine Gesundheitsprämie seien gescheitert. Wie so oft mischen sich bei Seehofers Attacken politische Taktik und persönliche Verletzungen.

Der CSU-Chef hat im Koalitionsvertrag Formulierungen für ein Reformprogramm der GKV zugestimmt, von denen er nun nichts mehr wissen will. Damit will er die CSU nach den letzten Wahlniederlagen als soziales Gewissen der Koalition installieren. Zudem hat Seehofer die Verletzungen im Vorfeld der Bundestagswahl 2005 nicht vergessen, als er im unionsinternen Streit um die Gesundheitspolitik gegen Angela Merkel unterlag. Die GKV-Reform wird damit zur Arena der ganz großen Politik: In der Sache geht es gegen Rösler, den Seehofer vermutlich als politisches Leichtgewicht unterschätzt. Ziel der Querschüsse aus München aber ist eine alte Widersacherin - Angela Merkel.

Lesen Sie dazu auch:
Seehofer befeuert Koalitionsstreit um Kopfpauschale

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »