Ärzte Zeitung, 12.04.2010

Sachsen-Anhalt setzt auf Stipendien gegen Ärztemangel

MAGDEBURG (dpa). Angesichts des Ärztemangels setzt Sachsen-Anhalts Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD) große Hoffnung auf ein Stipendien-Modell für Medizin-Studenten in dem Bundesland. Die Studenten sollen eine finanzielle Unterstützung bekommen, wenn sie sich verpflichten, nach Abschluss ihrer Ausbildung eine Zeit lang als Fachärzte auf dem Land zu praktizieren.

Die Verpflichtung soll sich auf maximal drei Jahre erstrecken. "Ich verspreche mir viel davon", sagte Bischoff in Magdeburg. Ein Stipendium soll abhängig vom Studienjahr bis zu 700 Euro monatlich betragen.

"Ich hoffe, dass es Ende April, spätestens im Mai losgeht", sagte Bischoff. Dann könnten sich Studenten, die sich im 4. Studienjahr oder höher befinden, dafür bewerben. Das Sozialministerium sei noch dabei, die Richtlinien zu erarbeiten, berichtete Bischoff. Nach seiner Einschätzung wird das Projekt auf große Resonanz stoßen. "Der Bedarf ist da, es gibt schon Nachfragen. Ich gehe davon aus, dass eher zu wenig als zu viel Geld zur Verfügung steht."

Die Hälfte der Ausgaben für das zunächst auf drei Jahre angelegte Projekt - 150 000 Euro pro Jahr - will das Land übernehmen. Den Rest teilen sich die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und die AOK. Laut KV praktizieren derzeit in Sachsen-Anhalt 1461 Hausärzte, rund 250 solcher Mediziner fehlen.

Nach Einschätzung Bischoffs wäre es wünschenswert, Stipendien mit anderen Vorhaben gegen Ärztemangel verknüpft werden. Dazu zählen Versorgungszentren auf dem Land, in denen Haus- und Fachärzte gemeinsam eine Praxis nutzen sollen. Mit dem Aufbau soll es ebenfalls in Kürze losgehen. "Wichtig ist es, jungen Ärzten Perspektiven zu eröffnen." Daher müssten die Rahmenbedingungen insgesamt stimmen, wozu auch Kommunen oder Vereine ihren Beitrag leisten könnten. 

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »