Ärzte Zeitung, 16.05.2011

Sichere Anästhesie - dennoch mehr Tote

Berufsverbände und Gesellschaften rufen zu mehr Offenheit bei Fehlern im OP auf.

HAMBURG (di). Noch nie war die Anästhesie so sicher wie heute - wenn die Patienten jung sind und keine Begleiterkrankungen haben. Wegen der steigenden Zahl älterer multimorbider Patienten kommt es aber zu einem rechnerischen Anstieg der Mortalitätsrate.

Laut Zahlen, die auf dem am 17. Mai zu Ende gehenden Anästhesiecongress in Hamburg präsentiert wurden, liegt die Mortalitätsrate bei gesunden Patienten ohne Begleiterkrankungen bei 0,04 pro 10.000 Anästhesien. Das Risiko steigt aber für Patienten mit schweren Begleiterkrankungen auf bis zu 5,5 pro 10.000 Anästhesien an.

"Das hat aber nichts mit einem Qualitätsverlust der anästhesiologischen Versorgung zu tun", sagte Prof. Hugo Van Aken, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Er führte die Entwicklung darauf zurück, dass das medizinische Leistungsspektrum heute zu Eingriffen führt, die früher undenkbar waren.

Er bekräftigte den Willen seiner Fachgruppe alles zu tun, um Fehlerquellen auszuschließen. Dazu gehören etwa das Melden von Fehlern und Ereignissen und die Anwendung von Checklisten.

DGAI ermutigt zu Fehlermeldung

Gemeinsam mit dem Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) ermutigte die DGAI Anästhesisten, Intensivmediziner, Notärzte und Schmerztherapeuten zur Fehlermeldung. Die DGAI informierte die Berufsgruppen darüber, wie sie die Helsinki Declaration on Patient Safety in Anaesthesiology umsetzt.

Die im vergangenen Jahr unterzeichnete Deklaration legt Mindeststandards für die Sicherheit im Fach fest. Dazu gehören ein regelmäßiger Geräte- und Medikamentencheck, Protokolle für den Umgang mit dem Atemweg und die Verwendung einer WHO-Surgical Safety Checklist.

Auf Internetportalen von BDA und DGAI können sich Mitglieder der Fachgruppen über die einzelnen Maßnahmen informieren.

www.cirs-ains.de

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (19625)
Organisationen
BDA (267)
DGAI (73)
WHO (3457)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »