Ärzte Zeitung, 10.08.2011

Auf dem Land - da ist der Hausarzt noch wer

"Arzt zu sein ist ein schöner Beruf", findet Hartmut Kuske. Ein ganzes Praxisteam unterstützt ihn bei der Arbeit.

Von Sunna Gieseke

Auf dem Land - da ist der Hausarzt noch wer

Jubiläumsfeier mit einem Patienten aus den Anfangstagen seiner Niederlassung: Seit 20 Jahren hat Hartmut Kuske (r.) eine eigene Praxis in Schönow.

© privat

SCHÖNOW. Das Telefon klingelt, drei Patienten stehen vor dem Tresen und warten ungeduldig - das Wartezimmer der Hausarztpraxis im brandenburgischen Schönow platzt bereits vor drei Uhr aus allen Nähten. Doch der Stress kurz vor Beginn der Sprechstunde bringt Viola Kuske nicht aus der Ruhe.

Jeder Patient wird freundlich und mit Namen begrüßt. "Die Patienten sind mit uns gealtert", sagt sie. Man kennt sich seit vielen Jahren. Alle kommen zu ihrem Ehemann, dem Hausarzt Hartmut Kuske.

In Schönow - einem Ort mit knapp 6000 Einwohnern, rund eine halbe Autostunde außerhalb Berlins - ist der 52-Jährige groß geworden. Oder wie er es formuliert: "Hier liegt schon mein Großvater auf dem Friedhof."

Viele Patienten kennt er seit seiner Kindheit

Weg ziehen? Nein, das könnte er nicht: Als Hausarzt ist er wer, hier auf dem Land. Er hat einen engen Bezug zu seinen Patienten, verfolgt ihre Lebensgeschichte kontinuierlich. Viele seiner Patienten kennt er seit seiner Kindheit.

Seine Patienten schätzen ihn sehr. "Das Team ist nett und hier spricht man ein offenes Wort", erklärt eine 72-Jährige, die seit 1995 Patientin in der Praxis ist. Sie fühle sich gut beraten, schließlich gehe sie ja nicht nur zum Arzt, weil es regne und sie nichts Besseres vorhabe.

Die ältere Dame ist eine von etwa 1900 Patienten, die pro Quartal in die Praxis kommen. Zehn Prozent davon sind Privatpatienten. "Das ist für einen Landarzt ein guter Schnitt", sagt Kuske.

Finanziell mache er sich keine Sorgen, und der Arbeitsdruck sei auch nicht mehr so groß - obwohl im Landkreis Barnim fünf Arztsitze frei sind. Der Versorgungsgrad liegt bei 96,2 Prozent.

Vieles wird ans Team delegiert

Kuske hat reagiert und einganzes Team von Mitarbeitern aufgebaut, das ihn entlastet. Viele nichtärztliche Tätigkeiten delegiert der Hausarzt an das Team. So kümmern sich eine Wundschwester und ein Pfleger allein um die chronisch kranken Patienten.

Auch hat Kuske einen älteren Kollegen eingestellt und beschäftigt zwei Ärztinnen in Weiterbildung. Beide sind sich einig: Am liebsten würden sie bleiben.

Trotzdem sind Kuske Nachwuchssorgen in der Landarztpraxis nicht fremd: "Den Nachwuchs zu finden, dass hat Jahre gedauert und ist nur durch Zufall geglückt."

Vier weitere Helferinnen organisieren einen reibungslosen Ablauf in der Praxis, einmal in der Woche gibt es eine Teambesprechung.

"Wir sind im Grunde ein kleines Wirtschaftsunternehmen", sagt Viola Kuske, die die Abläufe überwacht, "streng", wie sie lachend hinzufügt.

50 bis 60 Stunden Dienst pro Woche

Ganz in schwarz gekleidet, mit Jeans und T-Shirt sieht Kuske auf den ersten Blick so gar nicht wie der klassische Landarzt aus. Er ist groß und wirkt sportlich - und engagiert. Immer bestrebt, alles, was möglich ist, aus seiner Praxis rauszuholen.

"Doch letztlich bleiben nicht mehr als 15 Minuten pro Patient", sagt Kuske mit Bedauern. Dafür seien auf dem Dorf einfach zu viele Patienten zu versorgen.

50 bis 60 Stunden arbeitet der Hausarzt pro Woche. Zweimal in der Woche mache er Hausbesuche. Aber er ist sich sicher: "Arzt zu sein, ist ein schöner Beruf." Schließlich könne man den Menschen helfen.

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