Ärzte Zeitung, 21.11.2011
 

KBV will Anreize gegen lange Wartezeiten

BERLIN (af). Patienten, die auf einen Arzttermin warten, sind deshalb nicht unbedingt verärgert. Mehr als drei Viertel der Betroffenen nimmt dies hin. Auf die aktuellen Umfrageergebnisse will die KBV mit Anreizen für Ärzte reagieren.

Wunder Punkt Wartezeit: Neue Anreize für Ärzte?

Rund die Hälfte der Befragten (48 Prozent) gab an, beim letzten Arztbesuch sofort einen Termin bekommen zu haben oder ohne vereinbarten Termin die Praxis aufgesucht zu haben.

Dennoch ist die Zahl derjenigen, denen es zu lange dauert, bis sie einen Termin bekommen, im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. 22 Prozent, das sind fünf Prozent mehr als 2010, empfinden das Warten auf den Termin als lange.

Die Zahlen entstammen einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV von Ende September 2011.

Der differenzierte Blick zeigt, dass 40 Prozent der Patienten drei Wochen und länger auf Termine in Facharztpraxen wartet.

"Für sie müssen wir noch Lösungen finden", sagte KBV-Vorstand Dr. Andreas Köhler bei der Vorstellung der Umfrage am Montag. Köhler und sein Vorstandskollege Dr. Carl-Heinz Müller hoffen darauf, dass eine solche Lösung im Versorgungsstrukturgesetz stehen könnte.

Aus Regierungskreisen erfuhr die "Ärzte Zeitung", dass Änderungen im Paragrafen 87 des Gesetzes Anreize schaffen sollen, Wartezeiten auf Termine zu verkürzen.

[21.11.2011, 18:28:15]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Warten auf Godot"
Die diesjährige Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV (von u n s e r e n Beiträgen bezahlt!) ist ja wohltuend entspannt, wenn man an das hektische Geschrei um die Ex-post-Befragung von 6.000 Bürgern in 2010 durch den BKK Bundesverband denkt.

Die BKK' s eruierten, satzungswidrig finanziert durch GKV-Beiträge, wie schon in 2008 eher die "gefühlten" Erfahrungen mit Wartezeiten. Zwischen Notfall, akuter Dringlichkeit, chronischen Erkrankungen, Befindlichkeitsstörungen, Kontroll- und Vorsorgeterminen wurde n i c h t differenziert unterschieden. Genau so unspektakulär waren die Ergebnisse quer über alle Fachgruppen für die GKV-Patienten/-innen: Ohne akute Beschwerden Wartezeit 25 Tage (2008: 26 Tage). Im Wartezimmer dann 27 Minuten (2008: 28). Bei PKV-Versicherten im Wartezimmer 21 Minuten (22). Bei Hausärzten im Mittel 27 Minuten (30). Einzig verlängert hat sich für privat Versicherte das Warten auf einen Termin ohne Beschwerden auf 17 Tage (2008: 12 Tage). Das wesentliche Verdienst der Hausärzte, a k u t Erkrankten t a g g l e i c h oder am Folgetag Termine zu geben, wurde vom BKK-Bundesverband n i c h t gewürdigt.

Man kann jetzt allerdings getrost abwarten, welche Verrenkungen die KBV-Vorstände Köhler und Müller machen werden, um im § 87 des GKV-VersStG sinnlose Anreize zu schaffen, die Wartezeiten auf n i c h t dringliche Termine zu verkürzen, während die wirklichen fach- und spezialärztlichen Notfälle auf der Straße stehen, wenn sie nicht in den überfüllten Krankenhausambulanzen landen und d o r t warten müssen. An uns Hausärzten/-innen liegt es jedenfalls nicht.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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