Ärzte Zeitung, 27.01.2012

Hessen uneins bei Strategien gegen Ärztemangel

Die Bedarfsplanung völlig kippen oder vielleicht nur reformieren? In Hessen sind die Landesregierung und die Kassenärztliche Vereinigung uneins.

FRIEDRICHSDORF (ine). Kommunen und Kreise sollen in Hessen stärker zusammenarbeiten, damit auch auf dem Land eine flächendeckende medizinische Versorgung möglich ist, so Hessens Sozialminister Stefan Grüttner und Wirtschaftsminister Dieter Posch auf einem Praxisforum in Friedrichsdorf.

Die vollständige Aufhebung der Bedarfsplanung und Finanzhilfen der Kommunen zur Niederlassung forderte hingegen Hessens KV-Vize Dr. Gerd Zimmermann. Es gebe beim Thema Ärztemangel Handlungsbedarf für viele der etwa 2000 Dörfer und 300 kleinen Städte im Land.

Statistisch gesehen herrsche zwar eine Überversorgung an Ärzten, allerdings seien viele Ärzte nicht dort niedergelassen, wo sie gebraucht werden, sagte Posch. Eine gute ärztliche Versorgung sei ein Standortfaktor bei der Ansiedlung neuer Unternehmen und bei der Rekrutierung von Fachkräften.

Reform der Bedarfsplanung wichtiger denn je

Deshalb fördere das Land unter anderem Ärztehäuser, sozialtherapeutische Einrichtungen und medizinische Dienste mit Darlehen und Bürgschaften. Wichtiger als je zuvor sei, so Sozialminister Grüttner, die Reform der Bedarfsplanung.

Es müsse kleinräumiger geplant werden. Grüttner: "Wenn ein Arzt eine Dreiviertelstelle hat, dann darf er nicht zu 100 Prozent im Bedarfsplan ausgewiesen werden."

Hessens KV-Vize Zimmermann forderte erneut, die Bedarfsplanung völlig aufzuheben. "Auch eine kleinräumige Bedarfsplanung wird uns unter Umständen genauso gesetzlich binden", so Zimmermann. Damit für Ärzte eine Praxis auf dem Land attraktiv wird, sollten die Kommunen Praxisgründern unter die Arme greifen und ihnen geeignete Räume zur Verfügung stellen.

Auch eine Anschubfinanzierung könne hilfreich sein. Die Arbeit der Hausärzte müsse ausreichend honoriert werden - etwa mit Hilfe von Hausarztverträgen. "Ein Pauschalhonorar von 25 Euro im Monat würde die Lücke locker schließen", so Zimmermann.

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