Ärzte Zeitung, 21.03.2012

KV: "Medizinmetropole Bremen"

KV: "Medizinmetropole Bremen"

Jeder fünfte Patient in Bremen kommt aus dem Umland. Bei der Vergütung sieht sich die KV in der zweiten Liga.

Von Christian Beneker

BREMEN/BREMERHAVEN. Spitze in der Versorgung, Schlusslicht an der Kasse. Das Bundesland Bremen hat bei der Versorgung durch niedergelassene Ärzte den höchsten Mitversorgereffekt, aber die durchschnittliche Vergütung sei mit 110.000 Euro im Jahr mit weitem Abstand die niedrigste im Land.

Jeder fünfte Patient, der eine Bremer oder Bremerhavener Arztpraxis aufsucht, kommt aus Niedersachsen oder einem anderen Bundesland.

Das zeigt die aktuellen Zahlen aus dem Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Berlin, teilt die KV Bremen mit.

Im Ländervergleich mit Abstand der höchste Wert

Demnach weist das Bundesland Bremen die mit Abstand höchsten Mitversorgereffekte aus: Über alle Arztgruppen hinweg werden 19,4 Prozent der ärztlichen Leistungen in Bremen und Bremerhaven für Patienten aus dem Umland erbracht.

"Das ist im Ländervergleich der mit Abstand höchste Wert", so die KVHB. Bei den Fachärzten liegt der Mitversorgereffekt gar bei 24,7 Prozent, bei den Psychotherapeuten sind es 22,7 Prozent. "Die Zahlen belegen, dass das Wort von der Medizinmetropole keine Phrase ist", sagt Dr. Jörg Hermann, Chef der KV Bremen.

So habe sich in Bremen ein einzigartiges Netz von Schwerpunkt- und Spezialpraxen entwickelt, beispielsweise in der Kinder- und Jugendmedizin, in der Inneren Medizin oder in der Augenheilkunde.

Spitzenmedizin in Bremen, die Honorare sind dagegen im Keller

Aber auch Disziplinen mit besonders kostspieligen Apparaturen wie die Strahlentherapie oder die moderne Großgerätediagnostik sind gefragt. Bremens Medizin sei Spitze, die Honorare seien dagegen im Keller. "Vertragsärzte in Bremen und Bremerhaven verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen."

Dies ergebe sich aus dem Bericht des Bewertungsausschusses über die Entwicklung der Vergütung im Jahr 2009. Demnach betrage die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung im Durchschnitt in Bremen von rund 110.000 Euro je Arzt und Jahr - das Schlusslicht im Bundesvergleich.

In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen verdienten niedergelassene Ärzte im Schnitt bis zu 60 Prozent mehr, so die KV Bremen.

Dr. Hermann: "Hier werden nicht nur die Ärzte und Psychotherapeuten benachteiligt, sondern auch die Patienten um eine noch bessere Versorgung gebracht. Die Diskussion um Milliardenüberschüsse der Kassen zeige: "Es ist Geld da, das sinnvoll verteilt werden kann."

[29.03.2012, 11:14:11]
Thorsten Schaff 
Ärzte in Bremen
Die Redaktion erreichte folgender Leserbrief von Jörn Hons:

Die Schlagzeile ist nicht zu beanstanden, wohl aber der letzte Teil dieses Berichtes, der auf eine Presseinformation der KV Bremen zurückgeht. Denn „Schlusslicht im Bundesvergleich“ sind die Bremer Ärzte mitnichten. Sie liegen vielmehr mit rund 210.000 Euro je Arzt (2009) deutlich über dem Bundesschnitt.

Und die Honorarsteigerung von 2007 bis 2009 war doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller alten Bundesländer. Trotz einer Arztdichte, die sich mit jener von Flächenländern wie Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern gar nicht vergleichen lässt.

Die KV Bremen – und die Ärzte-Zeitung - haben über die budgetierte Gesamtvergütung berichtet, dabei aber die nicht budgetierten Leistungen sowie den Fremdkassenausgleich mit Niedersachsen weggelassen. Damit haben sie hier gut die Hälfte aller Honorare einfach unter den Tisch fallen lassen.

Dabei sind sich die Krankenkassen in Bremen und die KV Bremen eigentlich im Grundsatz einig, dass es eine gute und ordentlich honorierte Versorgung im Land Bremen gibt.

Jörn Hons
Arbeitsgemeinschaft der Bremer Kranken-kassen
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