Ärzte Zeitung, 18.06.2012

Hausärzte wollen sich selber kümmern

Ein Bundesland mit großen Lücken bei der Hausarztversorgung? Damit dieses Horrorszenario nicht eintritt, nehmen die Hausärzte in Sachsen-Anhalt jetzt die Zukunft ihres Nachwuchses selbst in die Hand.

Von Petra Zieler

Hausärzte in Sachsen-Anhalt werben um den Nachwuchs

Halberstadt aus der Luft: Wo sind die Hausärzte?

© Steffen Schellhorn / imago

MAGDEBURG. Frei nach dem Motto: "Wir müssen uns selber um uns kümmern", engagieren sich immer mehr Hausärzte in Sachsen-Anhalt für die Weiterbildung ihres Nachwuchses.

Drei Allgemeinmediziner aus Halberstadt, Oschersleben und Quedlinburg haben unlängst den achten Weiterbildungsverbund des Landes gegründet. In Zusammenschlüssen dieser Art unterstützen 56 Hausärzte sowie Vertreter aus elf Krankenhäusern des Landes die Qualifizierung ihrer künftigen Kollegen.

Bereits im September vergangenen Jahres haben die Koordinierungsstelle zur Weiterbildung in der Allgemeinmedizin (KOSTA) bei der Ärztekammer sowie die Landes-KV vereinbart, die Bildung regionaler Weiterbildungsverbünde zu forcieren.

"Das ist ein guter Weg, denn wir wissen sehr wohl, was passiert, wenn wir nichts tun", sagt Stefan Andrusch, Hausarzt in Halberstadt. In Sachsen-Anhalt fehlen bereits heute 400 Allgemeinmediziner, in fünf Jahren könnten es 650 sein.

Gegenwärtig werden nur zwei von drei frei werdenden Hausarztsitzen besetzt. "Es ist also auch in unserem Interesse, dass unsere künftigen Kollegen kompetente Partner in der Praxis finden und dass ihre Weiterbildung attraktiver wird und reibungslos ohne Zeitverlust durchlaufen werden kann."

Praxisluft schon im Studium schnuppern

Jeder Assistent bekommt im Vorfeld einen individuellen, verbindlichen Ausbildungsplan über die gesamten fünf Jahre an die Hand. Voraussetzung dafür sei auch eine gute Kooperation mit den Krankenhäusern.

Andrusch und seine Kollegen wollen aber nicht nur in ihren eigenen Praxen ausbilden, sie überlegen zugleich, wie sie bei Medizinstudenten schon möglichst früh das Interesse an der Allgemeinmedizin wecken können.

"Auf alle Fälle werden wir ihnen ab diesem Jahr während unserer Hausärztetage gezielte Veranstaltungen anbieten."

Eine gute Möglichkeit, Nachwuchs für den Beruf zu begeistern, seien zudem die Blockpraktika im vierten Studienjahr.

Bis zu fünf Studenten pro Jahr können in dieser Zeit bei Hausärztin Dr. Evelyn Fabiensky, die dem Weiterbildungsverbund in Magdeburg angehört, Praxisluft schnuppern: "Obwohl es bei uns auch Zensuren gibt, sind die meisten mit Spaß bei der Sache. Viele können sich danach vorstellen, in die Allgemeinmedizin zu gehen."

Die Hausärztin unterstützt auch das neue Angebot "Berufsfelderkundung" des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Magdeburg, das über jeweils vier Semester läuft.

In dieser Zeit bekommen Studenten in Hausarztpraxen die Möglichkeit, den Gesundheitszustand jeweils eines Patienten näher kennen-, verstehen und bewerten zu lernen.

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